/ 22.06.2013
Andreas Wilkens (Hrsg.)
Wir sind auf dem richtigen Weg. Willy Brandt und die europäische Einigung
Bonn: Verlag J. H. W. Dietz Nachfolger 2010 (Willy-Brandt-Studien 3); 511 S.; brosch., 38,- €; ISBN 978-3-8012-0392-4„Deutsche Lösung unmittelbar mit einer europäischen verbunden. Föderation in Mitteleuropa als erste Etappe zu einer umfassenden europäischen Lösung. Geistige und organisatorische Vorbereitung.“ (40) Mit diesen Notizen zu einem Vortrag vor Emigranten in Oslo im September 1939 habe Brandt sich zum ersten Mal mit der europäischen Neuordnung befasst, schreibt Einhart Lorenz. Und auch wenn die Europavorstellungen, die der junge Brandt bis 1946 entwickelte, letztlich zu utopisch gewesen seien, ließen sich doch schon Konzepte erkennen, „die sich später in der Außenpolitik, in der Ostpolitik und in der Anerkennung existierender Grenzen und besonders in der Erkenntnis, dass kleine Nationen legitime Interessen haben, auf welche die großen Rücksicht nehmen müssen, niedergeschlagen haben“ (52). Diese Vorstellungen, Konzeptionen und später auch Handlungen stehen im Mittelpunkt des Bandes, chronologisch entfaltet und mit Schwerpunkt auf die Fragen der europäischen Politik in der Zeit als Außenminister (1966-1969) und Bundeskanzler (1969-1974). Und trotz einer Konzentration der Beiträge auf Westeuropa erinnert Egon Bahr daran, dass Brandt Ost- und Westpolitik nie als Gegensätze dachte. Ein weiteres zentrales Thema sind ergänzend die Perspektiven aus verschiedenen europäischen Ländern – wie Brandt u. a. in Frankreich, Belgien und Holland wahrgenommen wurde. In Großbritannien, so zeigt sich, setzte man schon auf Brandt, als er noch Berlins Regierender Bürgermeister war, und schätzte ihn als loyalen Verbündeten. Man ging sogar so weit in den Planungen, so Melissa Pline, die Unterstützung seiner Ostpolitik an Brandts Unterstützung des eigenen EG-Beitritts zu koppeln. Die Beiträge gehen zurück auf ein Kolloquium, das im Juni 2006 an der Universität Metz u. a. in Zusammenarbeit mit der Bundeskanzler-Willy-Brandt-Stiftung durchgeführt wurde. Gezeigt habe sich „die Originalität der europäischen Politik Willy Brandts“, schreibt Robert Frank in den Schlussüberlegungen. „Ihm eigen ist schließlich die Art, sowohl an Vernunft als auch an die Emotion zu appellieren, an den Pragmatismus wie an die Vision“ (446).
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.3 | 2.313 | 2.331 | 2.61 | 3.1 | 4.21
Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Andreas Wilkens (Hrsg.): Wir sind auf dem richtigen Weg. Bonn: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/32059-wir-sind-auf-dem-richtigen-weg_38238, veröffentlicht am 24.08.2010.
Buch-Nr.: 38238
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Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
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