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/ 20.06.2013
Johannes Paulmann (Hrsg.)

Auswärtige Repräsentationen. Deutsche Kulturdiplomatie nach 1945

Köln/Weimar/Wien: Böhlau Verlag 2005; VI, 314 S.; brosch., 34,90 €; ISBN 3-412-12005-7
In beiden deutschen Staaten war nach dem Zweiten Weltkrieg die Selbstdarstellung im Ausland ein immer wieder diskutiertes und teilweise höchst umstrittenes Thema. Dieser Sammelband dokumentiert einen Workshop, der im Mai 2004 durch die Stiftung Bundespräsident-Theodor-Heuss-Haus und die International University Bremen veranstaltet wurde. Der Untersuchungsgegenstand ist dabei nicht auf die amtliche auswärtige Kulturpolitik beschränkt, sondern schließt auch Formen, Gegenstände und gesellschaftliche Akteure ein, die in der Forschung bisher nur ungenügend beachtet worden sind. Deutlich wird, dass die auswärtige Kulturpolitik regelmäßig konkrete politische Absichten verfolgt, meist im Kontrast zu der sie umgebenden zurückhaltenden Rhetorik. Im Detail wird dies z. B. an den kulturpolitisch geprägten Anstrengungen zur Wiedereingliederung der Bundesrepublik in die internationale Gemeinschaft oder anhand der „im Rahmen der Ostpolitik gewollten“ (69) Festivalförderung beschrieben. Weitere Fallstudien sind dem Sport (Fußball-WM 1954, Olympische Spiele 1972) und der Rolle der deutschen Wirtschaft gewidmet. Als roter Faden zieht sich der deutsch-deutsche „Kulturkampf“ durch die Beiträge, mit dem beide deutsche Staaten versuchten, sich als rechtmäßiger Vertreter des deutschen Kulturerbes zu etablieren. Leider fehlt den Einzelbeiträgen eine analytische Klammer, hierfür hätte sich beispielsweise ein Schlusskapitel angeboten. Darin hätte u. a. eine Kernfragestellung wie die nach der Bedeutung der Kulturpolitik für die deutsche Selbstvergewisserung angesichts nationalsozialistischer Vergangenheit und der Systemkonkurrenz im Kalten Krieg oder Grundmuster deutscher Kulturpolitik nach 1945 beantwortet werden können. Zudem beschränken sich alle Beiträge auf einen Untersuchungszeitraum bis zum Ende der 80er-Jahre. Dabei hätte auch die auswärtige Kultur- und Bildungspolitik des wiedervereinten Deutschlands eine Behandlung im Rahmen dieser Publikation verdient gehabt.
Thomas Henzschel (TH)
Dr., Auswärtiges Amt, Arbeitsstab Iran.
Rubrizierung: 4.212.3142.313 Empfohlene Zitierweise: Thomas Henzschel, Rezension zu: Johannes Paulmann (Hrsg.): Auswärtige Repräsentationen. Köln/Weimar/Wien: 2005, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/23367-auswaertige-repraesentationen_26798, veröffentlicht am 25.06.2007. Buch-Nr.: 26798 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
CC-BY-NC-SA