/ 22.06.2013
Eero Medijainen / Olaf Mertelsmann (Hrsg.)
Border Changes in 20th Century Europe. Selected Case Studies
Berlin: Lit 2010 (Tartu Studies in Contemporary History 1); 297 S.; 34,90 €; ISBN 978-3-8258-8745-2Anlässlich der Feierlichkeiten zum Frieden von Tartu wurde 2004 die Idee zu einer thematisch breiteren Konferenz geboren, in der man über die nationalstaatlichen Grenzverschiebungen in Europa diskutieren könne. Dank der Unterstützung durch estnische Persönlichkeiten und der Universität Tartu konnte die Idee ein Jahr später verwirklicht werden. In diesem Band haben die beiden Herausgeber ausgewählte Beiträge der Konferenz ediert. Die einzelnen Artikel sind u. a. einer ganzen Anzahl von konkreten historischen Ereignissen, aufgrund derer die nationalstaatlichen Grenzen innerhalb Europas neu gezeichnet werden mussten, gewidmet. Es werden aber nicht nur die kriegerischen Verläufe, politischen Entscheidungen und Friedensverträge erörtert, sondern unter anderem auch nach deren Folgen (beispielsweise Migrationsströme), nach theoretischen Implikationen und nach den Entstehungsgründen für die nationalistische Idee von einem wiedererstarkten Vaterland gefragt. So untersucht Aristotle Kallis die zu Beginn des 20. Jahrhunderts geführten nationalistischen Diskurse über eine „Wiedergeburt“ am Beispiel von Italien, Deutschland und Griechenland und stellt heraus, dass gerade die Popularisierung der früh gemachten Erfahrungen während des Ersten Weltkrieges – die stets im Kontext der nationalistischen Ideologien gesehen werden müssen – ein eindeutiger Indikator für das sei, was in den 1920er- und 1930er-Jahren folgen sollte: Die Idee einer nationalen Wiedergeburt war nicht mehr nur ein nebulöses, hochgradig utopisches und elitäres Projekt, sondern nahm Formen eines kollektiven Mythos an. Damit nähert sich der Autor dem Thema nationale Grenzveränderungen durchaus unkonventionell und daher auf interessante Weise. Schade ist allerdings, dass die Herausgeber in dem inhaltlich sehr spartanischen Vorwort ausschließlich auf den 1920 geschlossenen Frieden von Tartu sowie in einem Satz auf die Annexion der baltischen Staaten durch die Sowjetunion eingehen, da sich in den einzelnen Beiträgen nicht nur dieser Zeit und Region gewidmet wird, sondern sich die Autoren das weiter reichende Thema über sehr unterschiedliche Zugänge erschließen.
Ines Weber (IW)
M. A., Politikwissenschaftlerin (Kommunikationswissenschaftlerin, Psychologin), wiss. Mitarbeiterin, Institut für Sozialwissenschaften, Christian-Albrechts-Universität Kiel.
Rubrizierung: 4.1 | 4.41 | 2.61
Empfohlene Zitierweise: Ines Weber, Rezension zu: Eero Medijainen / Olaf Mertelsmann (Hrsg.): Border Changes in 20th Century Europe. Berlin: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/34406-border-changes-in-20th-century-europe_41317, veröffentlicht am 19.01.2012.
Buch-Nr.: 41317
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M. A., Politikwissenschaftlerin (Kommunikationswissenschaftlerin, Psychologin), wiss. Mitarbeiterin, Institut für Sozialwissenschaften, Christian-Albrechts-Universität Kiel.
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