/ 12.06.2013
Regina Wick
Die Mauer muss weg – Die DDR soll bleiben. Die Deutschlandpolitik der Grünen von 1979 bis 1990
Stuttgart/Berlin/Köln: Verlag W. Kohlhammer 2012 (Wege zur Geschichtswissenschaft); 326 S.; kart., 39,90 €; ISBN 978-3-17-022944-0Diss. Heidelberg; Begutachtung: E. Wolfrum. – Ambivalent war die deutschlandpolitische Haltung der Grünen in den 1980er‑Jahren. Regina Wick konstruiert vier idealtypische Strömungen, denen sie die unterschiedlichen, innerparteilichen Ansätze zuordnet – denn abgesehen von der übergreifend geteilten Forderung nach einer völkerrechtlichen Anerkennung der DDR bestanden erhebliche Differenzen. Während die einen sich eher in den Bahnen der sozialliberalen Ostpolitik bewegten, lagen andere auf der Linie der DDR‑Führung und wieder andere entwickelten aus den Grundüberzeugungen der Grünen eine Position. Somit gab es nie „‚die eine‘ grüne Politik gegenüber der DDR“ (69). Wick erklärt das damit, dass sich bei den Grünen sehr unterschiedliche Gruppierungen und Strömungen eingefunden haben. Jenseits der Unterstützung einer völkerrechtlichen Anerkennung der DDR gab es daher auch in Bezug auf die Deutschlandpolitik keine gemeinsame Position. Während sich die Akzeptanz der Zweistaatlichkeit aus der Biografie der Grünen erklären lasse, schreibt die Autorin, wirkten ansonsten realpolitische Erwägungen und situative Einschätzungen auf die Politikentwicklung. So habe etwa die Friedensbewegung in Ost und West die Ostpolitik der Grünen beeinflusst. Etwas unklar bleiben auch nach der Lektüre des Buches die Rollen der SED und der Staatssicherheit. Wick kann hier zwar Verbindungen herstellen, muss es aber – wohl differenziert und abgewogen – bei Koinzidenzen belassen. Festzuhalten bleibt, dass die Grünen durch ihre im Wesentlichen verfolgte Doppelstrategie sowohl immer wieder den Kontakt zur Staatsführung suchten als auch stets Wert auf die Begegnung mit Bürgerrechtlern legten, denen sie „Vorbild und Bündnispartner zugleich“ (298) waren. Durch ihre umfängliche Kontextualisierung kommt Wick zu dem Schluss, dass in der Deutschlandpolitik am Ende der 1980er‑Jahre einige Richtungsfragen virulent wurden, die sich auf die Politik der Grünen in den folgenden Jahren auswirkten. So seien die Abspaltung des Fundiflügels nach 1990 und die Veränderungen der grünen Außenpolitik in der Regierungszeit nach 1998 bereits in den Wendemonaten angelegt worden.
Stephan Klecha (SKL)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Institut für Demokratieforschung der Universität Göttingen.
Rubrizierung: 2.313 | 2.331 | 2.314 | 2.315
Empfohlene Zitierweise: Stephan Klecha, Rezension zu: Regina Wick: Die Mauer muss weg – Die DDR soll bleiben. Stuttgart/Berlin/Köln: 2012, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/14548-die-mauer-muss-weg--die-ddr-soll-bleiben_43533, veröffentlicht am 07.03.2013.
Buch-Nr.: 43533
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Dr., wiss. Mitarbeiter, Institut für Demokratieforschung der Universität Göttingen.
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