/ 17.06.2013
Bruce Ackerman / Anne Alstott
Die Stakeholder-Gesellschaft. Ein Modell für mehr Chancengleichheit. Mit einem Vorwort von Claus Offe
Frankfurt a. M./New York: Campus Verlag 2001 (Schriftenreihe der Hans- und Traute-Matthöfer-Stiftung "Frankfurter Beiträge zu Wirtschafts- und Sozialwissenschaften" 5); 241 S.; kart., 34,90 €; ISBN 3-593-36835-8Als Leitformel einer globalisierten Ökonomie bezeichnet Shareholding ein Allokationsprinzip wirtschaftlicher Ressourcen, das sich allein an den Erträgen der Anteilseigner von Unternehmen ausrichtet. Mit dieser radikalen Ökonomisierung ist eine Umschichtung der Einkommensstruktur verbunden, die sich - bezogen auf die USA - daran ablesen lässt, "daß fast der gesamte neu erwirtschaftete Wohlstand [der letzten Generation] an die oberen 20 Prozent gegangen ist" (17). Weil derartige Prozesse, übrigens nicht nur in den USA, das Prinzip der Chancengleichheit zu einer bloßen Illusion verkehren - mit allen Folgen für den sozialen Zusammenhalt moderner Gesellschaften - entwerfen Ackerman/Alstott ihr liberale und sozialdemokratische Elemente verknüpfendes Programm einer Stakeholder-Gesellschaft. Mit dem (unübersetzbaren) Begriff des Stakeholdings ist der Gedanke der wirtschaftlichen Staatsbürgerschaft gemeint (19), der jedem Mitglied ein Recht auf einen Anteil am gesellschaftlichen Wohlstand garantiert. Konkret bedeutet der Vorschlag, dass jeder amerikanische Bürger mit Erreichen des frühen Erwachsenenalters eine einmalige Zuteilung von 80000 Dollar erhält (20). Dieser - über eine zweiprozentige Reichtumssteuer zu finanzierende - Fonds würde (Basisjahr 1996) ein jährliches Volumen von 255 Milliarden Dollar (= etwa 3,4 % des BIP) umfassen (Einzelheiten zur Finanzierung enthält der Anhang). Das Faszinierende an diesem Konzept - mit dem die Autoren "dem politischen Liberalismus den unschätzbaren Dienst [erweisen], seine verlorene soziale Ehre jedenfalls theoretisch wiedergewinnen zu können" (so Offe in der Einleitung [11]) - besteht in der Intention, jenseits der festgefahrenen Kontroverse zwischen libertären (auf individuelle Eigentumsrechte fixierten) und egalitären (auf kollektivvertraglicher Vorsorge beharrenden) Positionen zum "Wiederaufbau des bestehenden Wohlfahrtsstaates" (30) beizutragen.
Inhaltsübersicht: Claus Offe: Zur Einführung: Die Wiederentdeckung der Chancengleichheit. Einleitung: 1. Stakeholding in Amerika. I. Der Grundvorschlag: 2. Bürger als Stakeholder; 3. Die Anteile im Kontext; 4. Persönlichkeitsprofile; 5. Zeit der Rückzahlung; 6. Vermögen besteuern; 7. Die Grenzen des Wachstums - und andere Einwände. II. Erweiterung des Fonds: 8. Vom Arbeitnehmer zum Bürger; 9. Privilegien besteuern. III. Verteidigung der Anteile: 10. Ideale; 11. Alternativen. Anhang: Die Finanzierung der Stakeholder-Gesellschaft: Die Teilhabersumme; Die Vermögenssteuer; Die Rückzahlung der Anteile; Bürgerrenten und Privilegiensteuer.
Thomas Mirbach (MIR)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.21 | 5.42 | 5.43 | 2.64
Empfohlene Zitierweise: Thomas Mirbach, Rezension zu: Bruce Ackerman / Anne Alstott: Die Stakeholder-Gesellschaft. Frankfurt a. M./New York: 2001, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/15372-die-stakeholder-gesellschaft_17495, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 17495
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Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
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