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/ 11.06.2013
Johannes Berger

Die Wirtschaft der modernen Gesellschaft. Strukturprobleme und Zukunftsperspektiven

Frankfurt a. M./New York: Campus Verlag 1999 (Theorie und Gesellschaft 44); 353 S.; kart., 68,- DM; ISBN 3-593-36216-3
Während die Analyse wirtschaftlicher Zusammenhänge einen wesentlichen Gegenstandsbereich der soziologischen Klassiker darstellte, scheint gegenwärtig das Profil einer eigenständigen Wirtschaftssoziologie nicht selbstverständlich zu sein. Da sich neuerdings ökonomische Erklärungsansätze unverkennbar selbstbewußt mit politikwissenschaftlichen oder soziologischen Themen befassen, sehen sich die Sozialwissenschaften eher mit der Frage konfrontiert, worin ihr spezifischer Beitrag zur Erkenntnis ökonomischer Phänomene denn bestehe. Eine Antwort könnte - in leichter Variation der bekannten Formel Durkheims - lauten: Die Sozialwissenschaften machen auf die nicht-ökonomischen Voraussetzungen und Folgen ökonomischen Handelns aufmerksam. Bergers wirtschaftssoziologische Abhandlungen greifen einerseits diese Perspektive auf; so analysiert er - am Beispiel von Wirtschaft und Umwelt (217 ff.) - die problematischen Konsequenzen eines nahezu autonom gewordenen Wirtschaftssystems oder - am Beispiel des Arbeitsvertrags - den faktischen Konsensbedarf ökonomischer Transaktionen (155 ff.). Andererseits stellt Berger jedoch auch die theoretische Differenz zwischen einer ökonomischen und einer soziologischen Erklärung heraus (307 ff.). Der zuweilen so beklagte "ökonomische Imperialismus" beruht auf dem robusten handlungstheoretischen Modell des homo oeconomicus, das sich - aus der Sicht von Wirtschaftswissenschaftlern - auf ganz unterschiedliche Handlungskontexte anwenden lassen soll. Dagegen würde - mit Berger - der soziologische Einwand darauf bestehen, daß der begriffliche Bezugsrahmen der Ökonomie die "Sozialität des Sozialen" nicht ausreichend erfasse (321), weil er drei konstitutive Elemente, nämlich die Interaktivität, die Emergenz und die Normativität des Sozialen verfehlt (310). Der Band enthält Aufsätze aus den Jahren 1989 bis 1998, drei Beiträge (Kapitel 6, 8 und 12) sind hier erstmals publiziert. Inhalt: I. Wirtschaft und gesellschaftliche Entwicklung: 1. Die Wirtschaft der Bundesrepublik Deutschland; 2. Entdifferenzierung als Perspektive für Marktwirtschaften? II. Wirtschaft und soziale Klassen: 3. Warum arbeiten die Arbeiter?; 4. Was behauptet die Marxsche Klassentheorie - und was ist davon haltbar? III. Wirtschaft und Staat: 5. Wirtschaftliche Entwicklung und wohlfahrtsstaatliche Institutionen; 6. Wirtschaftliche Voraussetzungen der Demokratie. Eine Wiederbegegnung mit der Lipset-These. IV. Wirtschaft und Moral: 7. Der Konsensbedarf der Wirtschaft; 8. Moralische Ökonomie und ökonomische Moral. V. Wirtschaft und Umwelt: 9. Wirtschaft und Umwelt. Eine soziologische Perspektive; 10. Umweltnormen und Umweltschutz. VI. Wirtschaft und Wirtschaftswissenschaften: 11. Von der Kritik der politischen Ökonomie zur soziologischen Theorie der Moderne; 12. Ist die Ökonomie eine Sozialwissenschaft?
Thomas Mirbach (Mir)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.222.22.3312.2612.2625.335.45 Empfohlene Zitierweise: Thomas Mirbach, Rezension zu: Johannes Berger: Die Wirtschaft der modernen Gesellschaft. Frankfurt a. M./New York: 1999, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/9989-die-wirtschaft-der-modernen-gesellschaft_11812, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 11812 Rezension drucken
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