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/ 11.06.2013
Horst Baier

Gesundheit als Lebensqualität. Folgen für Staat, Markt und Medizin

Osnabrück: Fromm 1997 (Texte + Thesen 270); 148 S.; 22,- DM; ISBN 3-7201-5270-7
Im ersten Teil werden kulturelle und soziale Welt- bzw. Menschenbilder in einen philosophisch-, medizinisch-, anthropologischen Zusammenhang gestellt. "Medizinische Weltbilder sind Sonderfälle von solchen funktionalen Ideologien. Sie sind ideale Vorstellungen eines spezifisch normierten Verhältnisses von Ärzten und Bevölkerung, einer spezifisch geregelten Umsetzung von Moral und Wissen in ärztlichen Handlungen und medizinischen Einrichtungen." (33 f.) Im zweiten Teil geht Baier auf die Rolle der Medizin im Verhältnis zwischen Staat und Gesellschaft ein. Deutschland sieht er als ein schlagendes Beispiel für das Versagen des Sozialstaates (89). Im dritten Teil durchforstet der Autor soziale Milieus der westlichen Gesellschaft und stößt dabei auf die hedonistischen Tendenzen der Erlebnisgesellschaft. "Der postmoderne Werteschub verändert also das Krankenhaus nicht nur von seinem Helfer-Personal her, sondern auch von seiner heilung- und hilfesuchenden Klientel. In der Kurmedizin zeigt sich schon an, was künftig auch die Krankenhaus-Hotellerie bestimmen wird: eine Art Erlebnistourismus [...], Selbsterfahrung und Selbstverwirklichung nicht nur für Gesundheit, sondern auch bei der Bewältigung von Krankheit, ja im Alter und sogar bei Behinderungen." (120) Die Untersuchung ist teilweise mit Rückgriffen auf die klassische Philosophie überfrachtet und aufgrund fehlender Quellenangaben für die wissenschaftliche Analyse wenig geeignet.
Thomas Morick (TM)
Dipl.-Politologe.
Rubrizierung: 2.2635.42 Empfohlene Zitierweise: Thomas Morick, Rezension zu: Horst Baier: Gesundheit als Lebensqualität. Osnabrück: 1997, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/9882-gesundheit-als-lebensqualitaet_11655, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 11655 Rezension drucken
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