/ 12.06.2013
Gregor Schöllgen
Jenseits von Hitler. Die Deutschen in der Weltpolitik von Bismarck bis heute
Berlin: Propyläen Verlag 2005; 400 S.; geb., 24,90 €; ISBN 3-549-07203-1Als eine Innenansicht der deutschen Außenpolitik seit 1871 hat Schöllgen dieses Geschichtsbuch angelegt. Als Grundlage dienen die Akten des Auswärtigen Amtes, deren Mitherausgeber er ist. Die Konzentration auf eine maßgebliche Quelle erleichtert es, die lange Zeitspanne von der Reichsgründung bis in die Gegenwart zwischen zwei Buchdeckel zu pressen. Bereits im Vorwort legt sich Schöllgen darauf fest, dass das Regime Hitlers und damit der Holocaust ein Bruch mit allen deutschen Traditionslinien darstellten. Gestützt werde diese Aussage dadurch, dass die ehemaligen Alliierten die Einheit absegneten: „Ohne diese Einsicht [...] hätte es eine ‚abschließende Regelung in bezug auf Deutschland‘ nie geben können.“ (7). Diesen (Kurz-)Schluss darf man allerdings infrage stellen, nicht nur, weil eine tragfähige Alternative nicht in Sicht war. Die deutsche Teilung als zwangsläufige Folge des verlorenen Kriegs zu interpretieren, verkürzt zudem den maßgeblichen Einfluss der sowjetischen Politik auf das Geschehen nach 1945. Ebenfalls streiten ließe sich über Schöllgens Darstellung der Vorgeschichte des Ersten Weltkriegs. Vielleicht ist es seiner engen Anbindung an die Akten des Auswärtigen Amtes geschuldet, dass er das Deutsche Reich als mit „dem Rücken zur Wand“ (19) schildert und die deutsche Kriegsschuld relativiert. Auch wenn es nicht Thema dieses Buches ist, fehlt doch die ideengeschichtliche und gesellschaftspolitische Problematisierung der Grundlagen der damaligen deutschen Politik. Die Darstellung der Geschichte als eine Aneinanderreihung von (fast) zwangsläufigen Ereignissen lockert sich in den Kapiteln über die Zeit nach 1945 auf, diese Abschnitte sind die eindeutig überzeugenderen. Der Leser erhält einen guten Überblick über die wichtigen Eckpunkte der bundesdeutschen Außenpolitik, die Schöllgen mit einer positiven Würdigung der rot-grünen Außenpolitik abschließt.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 4.1 | 4.21 | 2.31
Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Gregor Schöllgen: Jenseits von Hitler. Berlin: 2005, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/14331-jenseits-von-hitler_29969, veröffentlicht am 25.06.2007.
Buch-Nr.: 29969
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Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
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