/ 05.06.2013
Martin Hecht
Modernität und Bürgerlichkeit. Max Webers Freiheitslehre im Vergleich mit den politischen Ideen von Alexis de Tocqueville und Jean-Jacques Rousseau
Berlin: Duncker & Humblot 1998 (Beiträge zur Politischen Wissenschaft 103); 282 S.; 118,- DM; ISBN 3-428-09315-1Politikwiss. Diss. Freiburg i. Br.; Erstgutachter: W. Hennis. - Der Autor wählt einen ungewöhnlichen Zugang zu Webers Freiheitslehre. Ein Vergleich mit Rousseau und Tocqueville scheint auf den ersten Blick kurios, da zumindest von einer expliziten Rezeption dieser beiden Denker durch Weber nicht die Rede sein kann, worauf Hecht selbst hinweist. Die Motivation für den Vergleich steht jedoch auf einer anderen Basis: auf einem gemeinsamen Erlebnis von Moderne und Rationalität als Krise. Mit dieser Perspektive werden die Ideen von Weber, Tocqueville und Rousseau aus ihrem jeweiligen historischen Kontext heraus analysiert; nicht Rezeption, sondern Ähnlichkeit und geistige Verwandtschaft rücken ins Zentrum. Dabei geht es Hecht in erster Linie darum, den politischen Philosophen Weber und dessen Denken in seiner Spannung zwischen Modernität und Bürgerlichkeit zu zeigen und dadurch die einseitige Festlegung als eines Theoretikers des paternalistischen Machtstaats zu korrigieren.
Inhaltsübersicht: A. Krise von Kultur und Politik: I. Die moderne Zeit - "eine bittere Satire"; II. Die "Kulturbedeutung" von Kapitalismus und Bürokratismus (Weber), der Demokratie (Tocqueville) und des Rationalismus (Rousseau); III. Webers, Tocquevilles und Rousseaus Kulturtheorien der Moderne: Die Kollision von Vernunft und Ethik; IV. "Zerrissene Bande": Rationalistische Antinomien in der modernen Gesellschaft; V. "Das Leben einer Kartoffel" - Rationalistische Antinomien und der Habitus des modernen Menschen; VI. Leben im Käfig: Die Knechtschaft der Seele im modernen Zeitalter; Exkurs: Das politische "Problem" in Max Webers Wissenschaft. B. Formen der Freiheit in der Moderne: I. Widerstand gegen die Knechtschaft: Die Suche nach der Freiheit im eisernen Zeitalter; II. Orte freiheitlicher Lebensführung: Die Schweizer Kantonalrepubliken und die neuenglischen Staaten Nordamerikas; III. Die Freiheit der Seele statt des "bonheur végétatif"; IV. Freiheit als ethische Qualifikation; V. Die freiheitlichen Verbandstypen der puritanischen Sekte und des amerikanischen Klubs (Weber), der amerikanischen Assoziation (Tocqueville) und des Berner "Äußeren Standes" (Rousseau); VI. Die politische Restituierung der Brüderlichkeit.
Markus Lang (ML)
Dr., Politikwissenschaftler.
Rubrizierung: 5.46 | 5.33 | 5.42
Empfohlene Zitierweise: Markus Lang, Rezension zu: Martin Hecht: Modernität und Bürgerlichkeit. Berlin: 1998, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/7134-modernitaet-und-buergerlichkeit_9533, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 9533
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Dr., Politikwissenschaftler.
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