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/ 20.06.2013
Jack Lang

Nelson Mandela. Ein Leben für Freiheit und Versöhnung. Mit einem Vorwort von Nadine Gordimer. Aus dem Französischen von Ingrid Hacker-Klier

Düsseldorf: Artemis & Winkler 2006; 229 S.; geb., 19,90 €; ISBN 3-538-07222-1
„Wenn es eine geniale Begabung zu wahrem und großen Menschentum gibt, dann besitzt Mandela diese Genialität“ (7), schreibt die Literatur-Nobelpreisträgerin Nadine Gordimer im Vorwort. Die Herausbildung dieser menschlichen Größe Mandelas erzählt Lang, der u. a. in Frankreich Kultur- und Bildungsminister war, als ein Drama antiken Ausmaßes in fünf Akten. In den ersten vier Akten symbolisiert jeweils eine Gestalt die Rolle Mandelas im Kampf gegen die Apartheid. Im ersten Akt erscheint Mandela als afrikanischer Bruder der Antigone, der dem Recht höchste Priorität einräumen will, aber feststellt, dass die Gesetze nicht den Maßstäben der Menschlichkeit genügen. Im zweiten Akt stellt sich Mandela wie Spartakus dem Regime entgegen, um im dritten Akt als Prometheus an den Felsen des Rassismus gekettet zu werden – 27 lange Jahre wird er inhaftiert. Im vierten Akt überwindet Mandela als Prospero das Regime und wird zum Wohltäter der Menschen, womit das Drama in einem fünften Akt unter dem Titel „König Nelson“ glücklich endet. Lang skizziert die Apartheid nicht nur als Versagen der weißen Gesellschaft in Südafrika, sondern auch als eines der internationalen Gemeinschaft. Diese habe ein „offensichtlich absurdes und abscheuerregendes System“ (46) unbegreiflicherweise nur drei Jahre nach Kenntnis des Holocausts gebilligt. Infolge des falschen Kurzschlusses, Mandela sei ein Kommunist, hätten die westlichen Demokratien den Apartheidgegnern lange die Unterstützung verwehrt. Lang hat in dieser ungewöhnlichen Biografie den Lebensweg Mandelas und vor allem seine herausragende Charakterbildung in eine konzentrierte Form gegossen. Er bewundert Mandela als einen im höchsten Maße politisch begabten Menschen, der sich – von Verstand wie Intuition geleitet – an den einzig gültigen Maßstäben der Menschlichkeit orientiert und deshalb sogar seinen schlimmsten Feinden die Hand zur Versöhnung reichte.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.12.67 Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Jack Lang: Nelson Mandela. Düsseldorf: 2006, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/25577-nelson-mandela_29670, veröffentlicht am 25.06.2007. Buch-Nr.: 29670 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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