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/ 22.06.2013
Stefan Neubert

Studien zu Kultur und Erziehung im Pragmatismus und Konstruktivismus. Beiträge zur Kölner Dewey-Forschung und zum interaktionistischen Konstruktivismus

Münster u. a.: Waxmann Verlag 2012 (Interaktionistischer Konstruktivismus 10); 336 S.; brosch., 34,90 €; ISBN 978-3-8309-2645-0
Habilitationsschrift. – Bei dieser kumulativen Habilitation handelt es sich um ein sehr anspruchsvolles Werk, das aus 17 Artikeln besteht, die zumeist schon veröffentlicht worden sind. Im Mittelpunkt steht eine Auseinandersetzung mit dem Pragmatismus von John Dewey aus der Perspektive des Kölner Ansatzes eines interaktionistischen Konstruktivismus. Ziel ist es durchgehend aufzuzeigen, wie Deweys Denken den interaktionistischen Konstruktivismus befruchten kann. Anspruchsvoll ist die Arbeit dabei, weil sie einerseits viele Forschungsbereiche wie Erziehungswissenschaft, Kulturwissenschaft und Politikwissenschaft umfasst und andererseits in all diesen Gebieten aufgrund der notwendigen Kürze von Artikeln viel Wissen voraussetzt. Hilfreich zum Verständnis von John Deweys Theorie des Pragmatismus sind die ersten beiden Kapitel, in denen sowohl auf seinen Erziehungsansatz als auch auf sein Verständnis von Demokratie eingegangen wird. Des Weiteren beschäftigt sich Neubert mit zentralen Aspekten in Deweys Denken wie dem Konzept der Erfahrung sowie den Themen Kultur, Pluralismus, Rassismus und Kunst. Jeweils werden hier die Positionen Deweys zunächst dargestellt und dann aus der Sicht des interaktionistischen Konstruktivismus bewertet. Dieser Ansatz kann als ein Versuch verstanden werden, bisherige Defizite in konstruktivistischen Theorierichtungen zu beheben, indem dieser „sich verstärkt den philosophischen und kulturwissenschaftlichen Diskursen der (Post-)Moderne öffnet, um in kritischer Auseinandersetzung mit ihnen zu einer breiteren Herleitung konstruktivistischer Ansprüche zu gelangen“ (68). Die Theorie wird am besten im dritten Kapitel beschrieben, für ein tiefergehendes Verständnis kann das Buch jedoch nicht sorgen, Neubert verweist deshalb immer wieder auf andere Schriften und eine Internetseite (http://konstruktivismus.uni-koeln.de). Erste Einsichten kann man jedoch auch über die gerade aus politikwissenschaftlicher Sicht interessanten Kapitel über die Theorie einer radikalen Demokratie gewinnen (vor allem Kap. 9). Hier geht es um die Anerkennung von Differenz, Inkommensurabilität und Dissens, den immer existierenden Momenten von Macht und Hegemonie in allen Diskursen sowie um plurale Öffentlichkeiten und hybride Kulturen. Dies und das Wissen um die Kontingenz der eigenen Positionen sollen Neubert zufolge zu einem kontextsensiblen Vorgehen statt zu einem Entscheiden anhand von abstrakten Prinzipien führen. Als Fazit kann festgehalten werden, dass das Buch viele Themen anreißt, die zum Weiterdenken auffordern; gleichzeitig ist jedoch eine gewisse Redundanz der Darstellungen festzustellen, die wahrscheinlich auf die Artikelstruktur des Buches zurückzuführen ist.
Jan Achim Richter (JAR)
Dipl.-Politologe, Doktorand, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 5.425.415.46 Empfohlene Zitierweise: Jan Achim Richter, Rezension zu: Stefan Neubert: Studien zu Kultur und Erziehung im Pragmatismus und Konstruktivismus. Münster u. a.: 2012, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/35245-studien-zu-kultur-und-erziehung-im-pragmatismus-und-konstruktivismus_42444, veröffentlicht am 09.08.2012. Buch-Nr.: 42444 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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