/ 20.06.2013
Werke
Jean Améry
Werke. Band 7: Aufsätze zur Politik und Zeitgeschichte. Hrsg. von Stephan Steiner
Stuttgart: Klett-Cotta 2005; 679 S.; geb., 34,- €; ISBN 978-3-608-93567-7Auf neun Bände ist die Werkausgabe der Schriften Amérys angelegt, herausgegeben von der Brüsseler Professorin Irene Heidelberger-Leonard. Für diesen siebten Band hat der Wiener Historiker Stephan Steiner aus einer großen Fülle von Publikationen die für das politische Denken Amérys zentralen Aufsätze und Briefe zusammengestellt und in einem Nachwort kenntnisreich kommentiert. Améry sei (aufgrund seiner finanziellen Verhältnisse) ein Lohnschreiber gewesen, so Steiner, habe allerdings aus seiner Si...
Jean Améry
Werke. Band 7: Aufsätze zur Politik und Zeitgeschichte. Hrsg. von Stephan Steiner
Stuttgart: Klett-Cotta 2005; 679 S.; geb., 34,- €; ISBN 978-3-608-93567-7Auf neun Bände ist die Werkausgabe der Schriften Amérys angelegt, herausgegeben von der Brüsseler Professorin Irene Heidelberger-Leonard. Für diesen siebten Band hat der Wiener Historiker Stephan Steiner aus einer großen Fülle von Publikationen die für das politische Denken Amérys zentralen Aufsätze und Briefe zusammengestellt und in einem Nachwort kenntnisreich kommentiert. Améry sei (aufgrund seiner finanziellen Verhältnisse) ein Lohnschreiber gewesen, so Steiner, habe allerdings aus seiner Situation etwas Ungewöhnliches gemacht: Viele seiner Texte hätten über die Jahre mehr Interesse erweckt als zum Zeitpunkt ihres ersten Auftauchens in einer Zeitung oder im Hörfunk. Leitfaden und Prüfstein für Amérys Denken sei kein Prinzipiengebäude oder theoretisches Konzept gewesen, „sondern das Gelebte, das Existenzielle“ (639). Die existenziellen, sein weiteres Leben prägenden Erfahrungen beschrieb Améry 1978, dem Jahr seines Freitods, in „Mein Judentum“. Als katholisch geprägter Österreicher aufgewachsen, war Améry seiner jüdischen Eltern wegen 1938 in ein „Judensein“ gedrängt worden, wie er schrieb, es folgten Emigration, Widerstand und Verschleppung nach Auschwitz. Er sei ein „Überlebender. Aber keinerlei moralische Instanz“ (54), schrieb Améry an Simon Wiesenthal – vielleicht sind seine Texte gerade aufgrund dieser persönlichen Zurücknahme noch heute so lesenswert und von einem nicht an ihren Entstehungszusammenhang gebundenen zeitlosen Wert. Geordnet sind seine Arbeiten in Kapitel über „Nazismus und jüdische Unruhe“ (wozu neben „Mein Judentum“ Texte über das Dritte Reich als Erfahrung, Bezugspunkt und Drohung sowie über den Antizionismus als neuer Antisemitismus gehören), die „Geburt der Gegenwart“, alte und neue Linke und den Terrorismus, „Gewalt und Gegengewalt“ und „Fragmente einer Biographie des Zeitalters“. In den Aufsätzen spiegelt sich die Entwicklung der Bundesrepublik und ihres Selbstverständnisses.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.1 | 2.35 | 2.313 | 2.3
Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Jean Améry: Werke. Stuttgart: 2005, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/24891-werke_28774, veröffentlicht am 25.06.2007.
Buch-Nr.: 28774
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Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
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