/ 17.06.2013
Arbeitslosigkeit in Deutschland
Meinhard Miegel / Stefanie Wahl
Arbeitslosigkeit in Deutschland. Phantom und Wirklichkeit
München: Olzog 2001; 176 S.; brosch., 20,- €; ISBN 3-7892-8078-XMiegel, Direktor des Bonner Instituts für Wirtschaft und Gesellschaft (IWG Bonn), hat schon vielfach provozierende Positionen in der sozialpolitischen Debatte eingenommen - so auch in dieser Streitschrift über Arbeitslosigkeit und deren öffentliche Thematisierung, die er zusammen mit der ebenfalls zum Institut gehörenden Koautorin Wahl publiziert hat. In der Hauptsache geht es den Verfassern um eine Kritik - in ihren Augen - überholter Sichtweisen von Arbeitslosigkeit. Dafür entwickeln sie zwei ...
Meinhard Miegel / Stefanie Wahl
Arbeitslosigkeit in Deutschland. Phantom und Wirklichkeit
München: Olzog 2001; 176 S.; brosch., 20,- €; ISBN 3-7892-8078-XMiegel, Direktor des Bonner Instituts für Wirtschaft und Gesellschaft (IWG Bonn), hat schon vielfach provozierende Positionen in der sozialpolitischen Debatte eingenommen - so auch in dieser Streitschrift über Arbeitslosigkeit und deren öffentliche Thematisierung, die er zusammen mit der ebenfalls zum Institut gehörenden Koautorin Wahl publiziert hat. In der Hauptsache geht es den Verfassern um eine Kritik - in ihren Augen - überholter Sichtweisen von Arbeitslosigkeit. Dafür entwickeln sie zwei Argumente: Einerseits hätten wir keine Massen-, sondern allein eine strukturelle Arbeitslosigkeit mit starken regionalen Unterschieden; als Beleg dient eine keineswegs neue Differenzierung des Arbeitslosenbestandes (Vermittelbare; nicht Vermittelbare; Desinteressierte). Andererseits behaupten sie als Kernproblem der verkrusteten Arbeitsmarktstrukturen das Festhalten an "industriegesellschaftlichen" Besitzständen und Erwartungen, die angesichts der sich herausbildenden Informationsgesellschaft längst obsolet geworden seien. Als Strategie - deren Realisierung als "vorrangig kulturelle Aufgabe" zu gelten habe - empfehlen sie eine breite Förderung unternehmerischer Potenziale, die Forcierung von individueller Beschäftigungsfähigkeit und schließlich, auch das ist kein neuer Vorschlag, die Entkoppelung von sozialer Sicherung und Erwerbsarbeit.
Inhaltsübersicht: 1. Konstanter Erwerbstätigenanteil und permanente Arbeitslosigkeit kennzeichnen den Arbeitsmarkt in Deutschland; 2. Erwerbstätige erwirtschaften immer mehr Güter und Dienste; 3. Steigende Produktion bei sinkendem Arbeitseinsatz; 4. Produktivitätsanstieg ist auf den vermehrten Einsatz von Wissen und Kapital zurückzuführen; 5. Wissens- und kapitalintensive und damit arbeitssparende Produktionsweise ist gewollt; 6. Unzureichende Anpassung an wissens- und kapitalintensive Produktionsweise erzeugt unfreiwillige Nicht-Normbeschäftigung, Arbeitslosigkeit und Arbeitskräftemangel; 7. Arbeitslosigkeit in Deutschland wird überzeichnet; 8. Trotz hoher Arbeitslosigkeit fehlen zunehmend Arbeitskräfte; 9. Demographische und sozio-kulturelle Rahmenbedingungen für die Anpassung an die wissens- und kapitalintensive Produktionsweise werden günstiger; 10. Mismatch im Arbeitsmarkt abbauen - Erwerbsbevölkerung auf Wissensgesellschaft vorbereiten; 11. Niedriglohnsektor zulassen; 12. Erwerbsarbeit von der Verteilung von Wertschöpfung teilweise entlasten.
Thomas Mirbach (MIR)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.342
Empfohlene Zitierweise: Thomas Mirbach, Rezension zu: Meinhard Miegel / Stefanie Wahl: Arbeitslosigkeit in Deutschland. München: 2001, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/16309-arbeitslosigkeit-in-deutschland_18721, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 18721
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Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
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