/ 21.06.2013
Wolfgang Ludwig-Mayerhofer / Olaf Behrend / Ariadne Sondermann
Auf der Suche nach der verlorenen Arbeit. Arbeitslose und Arbeitsvermittler im neuen Arbeitsmarktregime
Konstanz: UVK Verlagsgesellschaft mbH 2009; 302 S.; brosch., 29,- €; ISBN 978-3-86764-155-5Mit der Implementierung der sogenannten Hartz-Reformen ist ein Regimewechsel in der deutschen Arbeitsmarktpolitik eingeleitet worden, dessen Implikationen erst nach und nach erkennbar werden. Die bisher durchgeführten, breit angelegten Evaluationen dieser Reformen haben sich auf die neu eingeführten Instrumente und auf organisationspolitische Fragen im Zusammenspiel von Arbeitsagenturen (SGB III), Arbeitsgemeinschaften (SGB II) und Kommunen konzentriert. Nur in Ausnahmen sind die Interaktionsprozesse zwischen Vermittlern und Arbeitslosen detailliert untersucht worden, also jene Praktiken, die – entsprechend der vielfach beschworenen Maxime von Fördern und Fordern – zur (Re-)Integration in den Arbeitsmarkt führen sollen. In soziologischer Perspektive – das stellen die Autoren deutlich heraus – sind diese Handlungskonstellationen in asymmetrische Machtverhältnisse eingebettet, die die individuelle Verantwortung der Hilfesuchenden für die eigene Arbeitslosigkeit festschreiben. Die Studie arbeitet auf Basis von (2005 und 2006 durchgeführten) qualitativen Interviews typische Interaktionsmuster zwischen Vermittlern und Arbeitslosen heraus; dabei sind sowohl die Rechtskreise des SGB III und des SGB II als auch Unterschiede der jeweiligen regionalen Arbeitsmarktlage berücksichtigt worden. Im Ergebnis zeigt sich: Arbeitsvermittler und Fallmanager bewegen sich in einem Spannungsfeld zwischen sozialer Kontrolle, administrativer Dienstleistung und professioneller Krisenintervention und diese widersprüchlichen Anforderungen sind angesichts der aktuellen Gesetzeslage nicht aufzulösen. Im Kern beschneiden diese Handlungsprobleme die Einlösung des mit dem neuen Arbeitsmarktregime stets postulierten Ziels, durch aktivierende Interventionen die Autonomie der Arbeitslosen (wieder-)herzustellen. Die Untersuchung besticht gleichermaßen durch ihre sorgfältige Methodik wie durch die Verknüpfung der empirischen Befunde mit einer kritischen Diskussion sozialstaatlicher Funktionen.
Thomas Mirbach (MIR)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.342
Empfohlene Zitierweise: Thomas Mirbach, Rezension zu: Wolfgang Ludwig-Mayerhofer / Olaf Behrend / Ariadne Sondermann: Auf der Suche nach der verlorenen Arbeit. Konstanz: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/30621-auf-der-suche-nach-der-verlorenen-arbeit_36364, veröffentlicht am 24.07.2009.
Buch-Nr.: 36364
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Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
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