/ 17.06.2013
Randolf Rodenstock
Chancen für alle. Die Neue Soziale Marktwirtschaft
Köln: Deutscher Instituts-Verlag 2001; 190 S.; geb., 24,54 €; ISBN 3-602-14524-7Im Oktober 2000 wurde die Initiative "Neue Soziale Marktwirtschaft" ins Leben gerufen. Rodenstock, der seit 1990 das deutsche Traditionsunternehmen gleichen Namens leitet und als Interessenvertreter wie gesellschaftspolitisch engagierter Unternehmer bekannt ist, schreibt hier als Mitglied des Kuratoriums der Initiative. Sein Buch will die Ideen der Initiative in allgemein verständlicher Sprache verbreiten. Die unbefriedigende bundesdeutsche Gegenwart wird kontrastiert mit der Zeit des großen Wirtschaftswunders unter Ludwig Ehrhard. Wiederholt wird der Zauber der (unternehmerischen) Freiheit und einer leuchtenden Zukunft mit Gentechnologie und New Economy beschworen. Das Kapitel zur Sozialpolitik lässt dagegen wenig Gutes an den Traditionen des bundesdeutschen Sozialstaats. Die überkommenen, auf dem Solidaritätsprinzip aufbauenden Pflichtversicherungen und die am kulturellen Minimum orientierte Sozialhilfe werden als leistungshemmend scharf kritisiert bzw. gänzlich zur Disposition gestellt. In der Bildungspolitik werden eine Erneuerung der Lehrpläne, die Abschaffung der Gesamtschulen, das (Zentral-)Abitur nach 12 Jahren, die Privatisierung der Universitäten, Eingangsprüfungen, Studiengebühren und Stiftungsprofessuren gefordert. Hier wie andernorts ist die USA das große Vorbild. Insgesamt präsentiert das Buch eine breite Palette von Reformvorschlägen. Dabei führt das wirtschaftsliberale Vertrauen auf die Kräfte des Marktes stets die Feder. Selbst wenn man den werbenden Zweck der Publikation in Rechnung stellt, drängt sich der Eindruck auf, dass die tragenden Gedanken des Buches nicht an die Einsichten der Väter der Sozialen Marktwirtschaft zu den damaligen ordnungspolitischen Grundfragen von Markt und Staat heranreichen. Gleichwohl schmälert diese Kritik nicht den Wert des Buches als eines ebenso kenntnisreichen wie eloquenten und interessegeleiteten Diskussionsbeitrages zur dringend benötigten Erneuerung der Sozialen Marktwirtschaft in der Bundesrepublik Deutschland.
Antonius Liedhegener (LI)
Dr., wiss. Ass., Institut für Politikwissenschaft, Universität Jena (www.uni-jena.de/svw/powi/sys/liedhege.html).
Rubrizierung: 2.342
Empfohlene Zitierweise: Antonius Liedhegener, Rezension zu: Randolf Rodenstock: Chancen für alle. Köln: 2001, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/15177-chancen-fuer-alle_17246, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 17246
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Dr., wiss. Ass., Institut für Politikwissenschaft, Universität Jena (www.uni-jena.de/svw/powi/sys/liedhege.html).
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