/ 13.02.2014
Roderich von Detten (Hrsg.)
Das Waldsterben. Rückblick auf einen Ausnahmezustand
München: oekom verlag 2013; 156 S.; 24,95 €; ISBN 978-3-86581-448-7Die alarmierenden Schlagzeilen aus den 1980er‑Jahren, in denen das Waldsterben vorausgesagt wurde, haben sich zwar nicht bewahrheitet. Dennoch kann das Problem nicht als gelöst angesehen werden, sondern bleibt, wie Herausgeber Roderich von Detten in seinem Vorwort schreibt, in der neuen, global geführten Umweltdebatte Gegenstand der öffentlichen Diskussion. In einem von 2006 bis 2013 durchgeführten DFG‑Forschungsprojekt beschäftigten sich mehrere Wissenschaftler mit der Debatte über das Waldsterben, dieses Buch ist eines der Ergebnisse. Martin Bemmann fragt in seinem Beitrag, ob das Waldsterben überhaupt ein „‚modernes‘ Umweltproblem“ (16) ist. Aufgrund seiner Analyse beantwortet er diese Frage mit „einem klaren ‚Jein‘“ (28). Die sozial bedingte Konstruktion des Problems Waldsterben sei einerseits nicht neu, weil die überregionale Ausbreitung der Schäden, die Notwendigkeit der wissenschaftlichen Untersuchung sowie auch das unsichere Wissen schon seit dem 19. Jahrhundert existierten; andererseits seien einige Aspekte auch als neu anzusehen, etwa die bis dahin unbekannten Schäden an Laubbäumen in sogenannten Reinluftgebieten und die nun berücksichtigte Wirkung von vorher wenig beachteten Abgasen. Besonders interessant an Bemmanns Beitrag ist die Aufarbeitung der sich wandelnden Betrachtungsweisen. Wie der Autor zeigen kann, ist die Raumvorstellung aufgrund des höheren Mobilitätsgrades erheblich geschrumpft: Wurden früher nur sehr nah angrenzende Fabriken und Industriegebiete für Schäden am Wald verantwortlich gemacht, so werden seit einigen Dekaden (auch dank besserer Messtechniken) kausale Zusammenhänge zwischen weit voneinander entfernten Gebieten gesehen. Roland Wagner geht in seinem Artikel den Fragen nach, wie sich das Thema Waldsterben innerhalb kurzer Zeit in der Wissenschaft etablieren konnte und wieso sich fast die gesamte Wissenschaft „dem Waldsterbensalarm“ (35) anschloss. Er beschäftigt sich dabei nicht nur mit dem vorrangigen Thema, sondern berührt zwangsläufig auch das Verhältnis von Wissenschaft und Gesellschaft insgesamt.
Ines Weber (IW)
M. A., Politikwissenschaftlerin (Kommunikationswissenschaftlerin, Psychologin), wiss. Mitarbeiterin, Institut für Sozialwissenschaften, Christian-Albrechts-Universität Kiel.
Rubrizierung: 2.341 | 2.35 | 2.313 | 2.315 Empfohlene Zitierweise: Ines Weber, Rezension zu: Roderich von Detten (Hrsg.): Das Waldsterben. München: 2013, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/36736-das-waldsterben_44780, veröffentlicht am 13.02.2014. Buch-Nr.: 44780 Inhaltsverzeichnis Rezension druckenM. A., Politikwissenschaftlerin (Kommunikationswissenschaftlerin, Psychologin), wiss. Mitarbeiterin, Institut für Sozialwissenschaften, Christian-Albrechts-Universität Kiel.
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