/ 11.06.2013
Wolfram Baentsch
Der Doppelmord an Uwe Barschel. Die Fakten und Hintergründe
München: Herbig 2006; 317 S.; hardc., 24,90 €; ISBN 978-3-7766-2489-2Auch zwanzig Jahre nach den Ereignissen liefert „die größte politische Affäre der deutschen Nachkriegsgeschichte“ (13) noch Stoff für Spekulationen. Der ehemalige Spiegel-Redakteur Baentsch recherchierte drei Jahre lang für dieses Buch, um seine These zu untermauern, dass der damalige schleswig-holsteinische Ministerpräsident nicht durch Selbstmord starb, sondern einem Gewaltverbrechen zum Opfer fiel. Daher spricht er von einem „Doppelmord“ – dem Mord und dem Rufmord zugleich. Für die ermittelnde Lübecker Staatsanwaltschaft habe es bereits im Frühjahr 1997 daran keinen Zweifel gegeben, doch dem Generalstaatsanwalt Wille sei durch den Landesjustizminister ein „Maulkorb“ (32) verhängt worden. Die Legende vom Selbstmord sei eine „politische Erfindung“ (25) gewesen und zum „Dogma“ (41) geworden. An der Erklärung Selbstmord sei nicht nur den Behörden gelegen gewesen, vor allem der „Spiegel“ als Meinungsführer unter den Medien habe daran Interesse gehabt, denn er wollte „damit die Vorwürfe bewiesen sehen, die er mit seinem Informanten Pfeiffer [...] gegen Barschel erhob“ (42), schreibt Baentsch. Auch der „Stern“ und die Süddeutsche Zeitung hätten sich an dieser Desinformationskampagne beteiligt. Tatsächlich sei Barschel in Genf an einer Vergiftung gestorben – nach einem Betäubungsmittel habe man ihm ein tödliches Gift verabreicht. Barschel musste sterben, weil er von einem über Schleswig-Holstein laufenden geheimen Waffentransfer zwischen Israel und dem Iran erfahren hatte. Somit sei er zu einem untragbaren Risiko für die Geheimdienste geworden und im Auftrag des CIA sowie des Mossads ermordet worden, lautet die gewagte, aber keineswegs neue Theorie des Autors. Er stützt sie auf eine Reihe von Indizien; so durfte er „als Erster“ Dokumente der Familie Barschel einsehen, die bis heute als „Verschlusssache“ gelten (11). Ob es sich dabei allerdings um Beweise handelt, darf bezweifelt werden. Insgesamt liest sich das Buch wie ein Krimi, in dem die damalige Affäre spannend rekonstruiert wird – um ein Enthüllungsbuch handelt es jedoch nicht.
Sabine Steppat (STE)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.3 | 2.313 | 2.331
Empfohlene Zitierweise: Sabine Steppat, Rezension zu: Wolfram Baentsch: Der Doppelmord an Uwe Barschel. München: 2006, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/9538-der-doppelmord-an-uwe-barschel_31174, veröffentlicht am 16.08.2007.
Buch-Nr.: 31174
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Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
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