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/ 06.06.2013
Sascha Zirra

Die Europäisierung nationaler Beschäftigungspolitik. Europäische Koordinierung und institutionelle Reformen

Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften 2010 (VS Research: Organization & Public Management); 381 S.; brosch., 39,95 €; ISBN 978-3-531-17122-7
Diss. Oldenburg. – Mit dem Vertrag von Amsterdam (1998) haben sich die EU-Mitgliedstaaten unter dem Titel der Europäischen Beschäftigungsstrategie (EBS) auf die Formulierung gemeinsamer beschäftigungspolitischer Ziele und auf einen kontinuierlichen Erfahrungsaustausch verständigt. Prozedural beruht die EBS auf der offenen Methode der Koordinierung (OMK), einem konsensualen Verfahren der Festlegung von europäischen Leitlinien und der indikatorengestützten Begleitung und Bewertung nationaler Fachpolitiken. Programmatisch gilt seit der 2005 revidierten Lissabon-Strategie Flexicurity – im Sinne einer Herstellung von Chancengleichheit auf den Arbeitsmärkten – als übergreifendes Ziel der EBS. Auf der Basis von qualitativen Fallstudien über Deutschland, Frankreich und Italien untersucht der Autor die Etablierung der EBS im Wechselspiel zwischen transnationalen Integrationsprozessen einerseits und dem institutionellen Wandel in den jeweiligen nationalen Arenen andererseits. Die Befunde von Experteninterviews und umfangreicher Dokumentenanalyse (zumal zur Institutionalisierung der EBS) werden im Rahmen eines strukturationstheoretischen Modells von Europäisierung interpretiert. Auch wenn die Reformprozesse der drei betrachteten Länder sehr unterschiedliche Verlaufsformen aufweisen, erkennt der Autor in ihnen doch ausreichend programmatische Gemeinsamkeiten, um von einer erfolgreichen Europäisierung nationaler Beschäftigungspolitiken sprechen zu können. Allerdings steht diese Europäisierung immer unter dem Vorbehalt der Aushandlungen zwischen den jeweils national relevanten Akteuren. Eingebettet in die institutionell und normativ geprägten nationalen Politikarenen ist die Europäisierung von Beschäftigungspolitik damit „kein planvoller, intendierter Prozess, sondern die nicht-intendierte – aber in Kauf genommene und wirksame – Nebenfolge des Handelns kompetenter Akteure“ (350).
Thomas Mirbach (MIR)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 3.52.2622.612.342 Empfohlene Zitierweise: Thomas Mirbach, Rezension zu: Sascha Zirra: Die Europäisierung nationaler Beschäftigungspolitik. Wiesbaden: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/9110-die-europaeisierung-nationaler-beschaeftigungspolitik_37804, veröffentlicht am 04.05.2010. Buch-Nr.: 37804 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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