/ 06.06.2013
Ursula Meiser
Die Konstruktion Europas in der Elitendiskussion. Eine Frameanalyse parlamentarischer Debatten in Deutschland und Italien
Online-Publikation 2011 (http://elib.uni-stuttgart.de/opus/volltexte/2011/6284/pdf/Konstruktion_Europas.pdf); X, 245 S.Diss. Stuttgart; Begutachtung: D. Fuchs, O. W. Gabriel. – Nicht aus der Perspektive der Bürger, wie sonst so häufig in wissenschaftlichen Arbeiten, sondern aus der der Eliten wird die EU betrachtet. Dies erfolgt mithilfe einer Frameanalyse von jeweils 20 parlamentarischen Debatten des Deutschen Bundestages und der italienischen Camera dei Deputati im Zeitraum zwischen 2000 und 2007, der Phase von der Ausarbeitung der Charta der Grundrechte der Europäischen Union bis zur Ratifizierung des Vertrages von Lissabon. Auf diese Weise ermittelt Meiser, wie die Parlamentarier das komplexe Thema der europäischen Integration vermitteln sowie welche Ideen von Europa Regierungsmitglieder und Abgeordnete in ihren Reden beschreiben. Im Rahmen der Analyse der Kommunikation politischer Eliten identifiziert die Autorin zehn Frames, wie etwa die EU als Friedensmacht, die Wertegemeinschaft oder das soziale Europa. Die prioritär diskutierten Themen seien in beiden Ländern die gleichen gewesen, die Fragen zur Erweiterung und zur Globalisierung standen an oberster Stelle, so Meiser. In beiden Parlamenten sei die EU mithilfe derselben Frames kommuniziert worden, doch diese seien unterschiedlich stark ausgeprägt gewesen. Der jeweilige nationale Hintergrund habe die Darstellung der Argumente beeinflusst. Als bedeutendste Entwicklung des Diskurses sieht die Autorin die Abwendung von der historischen Begründung der Union hin zur Deutung als starke Einheit in Zeiten der Globalisierung. In Fragen der politischen Reform und der Identitätssuche dauere die Suche nach Antworten an. Die Parteien beanspruchten die Deutungshoheit für die Inhalte, die sie auch auf nationaler Ebene vertreten. Starke Kritik an der EU sei nur von Parteien des linken oder rechten Randes des Parteienspektrums geäußert worden. Die Analyse verdeutliche, dass die Vorstellungen von der EU sowie die Ziele und Erwartungen national unterschiedlich seien.
Sabine Steppat (STE)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 3.7 | 2.22 | 2.61 | 2.321
Empfohlene Zitierweise: Sabine Steppat, Rezension zu: Ursula Meiser: Die Konstruktion Europas in der Elitendiskussion. 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/9174-die-konstruktion-europas-in-der-elitendiskussion_41733, veröffentlicht am 26.04.2012.
Buch-Nr.: 41733
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Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
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