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/ 17.06.2013
Heinz Bude / Andreas Willisch (Hrsg.)

Exklusion. Die Debatte über die "Überflüssigen"

Frankfurt a. M.: Suhrkamp 2008 (suhrkamp taschenbuch wissenschaft 1819); 335 S.; 12,- €; ISBN 978-3-518-29419-2
In der Debatte über die „Überflüssigen“ artikuliert sich der phänomenologische Befund über Folgen eines hochdynamischen Kapitalismus, den ernst nehmen sollte, wer an der Realität moderner Vergesellschaftung interessiert ist. Die durchaus provokativ gemeinte These der Überflüssigkeit verweist auf eine neue Problemlage; dabei handelt es sich nicht um jenen Teil der Unterschicht, von der die klassische Sozialstrukturanalyse behauptet, es gebe ihn in jeder modernen Gesellschaft. Die neuen Zonen der Prekarität (Robert Castel) treten vielmehr an den Verwerfungen zwischen der Flexibilität und lebenslanges Lernen verlangenden Dienstleistungsökonomie einerseits und dem aktivierenden Sozialstaat andererseits auf, der seine Klientel für den Arbeitsmarkt befähigen will. Diese Schnittstelle erzeugt eine heterogene Gruppe von Personen mit Eigenschaften, Fähigkeiten und Lebensentwürfen, die für die Arbeitsgesellschaft unbrauchbar geworden sind. Das kann beispielsweise die sogenannten ausbildungsmüden Jugendlichen betreffen, die sich keine Chancen stabiler Beschäftigung mehr ausrechnen, es können ältere Arbeitslose sein, die trotz langer Erwerbstätigkeit ohne Aussicht auf Wiedereinstellung sind oder es kann sich um jene handeln, die sich – vielfach mit bi-kultureller Zugehörigkeit – in der Grauzone atypischer Beschäftigungsverhältnisse bewegen. Für eine Auseinandersetzung mit sozialer Ungleichheit in einer Gesellschaft, die hohe Erwerbsbeteiligung und hohe Arbeitslosigkeit zugleich aufweist, ist diese Publikation unverzichtbar, weil die Autoren die neuen Phänomene sozialer Ausgrenzung sowohl in empirischer wie in begrifflicher Perspektive diskutieren. Der Sammelband dokumentiert eine Debatte, die in den Jahren 1998 bis 2004 in der vom Hamburger Institut für Sozialforschung herausgegebenen Zeitschrift Mittelweg 36 geführt worden ist.
Thomas Mirbach (MIR)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.352.22.23 Empfohlene Zitierweise: Thomas Mirbach, Rezension zu: Heinz Bude / Andreas Willisch (Hrsg.): Exklusion. Frankfurt a. M.: 2008, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/14795-exklusion_34400, veröffentlicht am 16.09.2008. Buch-Nr.: 34400 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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