/ 04.06.2013
Jürgen Beyer
Managerherrschaft in Deutschland? "Corporate Governance" unter Verflechtungsbedingungen
Opladen/Wiesbaden: Westdeutscher Verlag 1998; 204 S.; kart., 42,- DM; ISBN 3-531-13226-1Wirtschaftswiss. Diss. Trier; Erstgutachter: P. Windolf. – Die Arbeit ist primär wirtschaftswissenschaftlich orientiert, gleichwohl aber auch spezifisch sozialwissenschaftlich relevant. Beyer führt eine empirische Untersuchung zur These der Managerherrschaft durch. Diese These, die auf Karl Marx zurückgeht, besagt, daß bei gestreuten Eigentumsverhältnissen nicht mehr die Besitzer – die Kapitalisten – ihre Unternehmen kontrollierten, sondern daß sich hier eine neue herrschende Klasse der Manager herausgebildet habe. Im anglo-amerikanischen Raum hat sich derweil ein theoretisches Gegenmodell entwickelt. Durch die große Zahl von Unternehmensübernahmen und –zerschlagungen seien Manager ständig von Auswechslung bedroht; durch diese Kontrollmechanismen sei die Grundlage der Managerherrschaft radikal in Frage gestellt. Beyer weist nun nach, daß es den Managern in Deutschland gelungen ist, durch spezifische Formen von Unternehmensverflechtungen dieser Entwicklung entgegenzuwirken. Seine Untersuchungen und Ergebnisse sind damit nicht nur organisationssoziologisch relevant, sondern bieten auch Ansatzpunkte für spezifischer politikwissenschaftliche Analysen bezüglich Machtstrukturen und Machtkontrolle im politischen System im engeren Sinne. Nicht zuletzt werfen seine Schlußfolgerungen die Frage auf, wie die zunehmende Verflechtung von Wirtschaft und Politik angesichts der Managerherrschaft innerhalb der Wirtschaft unter demokratietheoretischen Gesichtspunkten zu bewerten ist.
Markus Lang (ML)
Dr., Politikwissenschaftler.
Rubrizierung: 2.331 | 2.342
Empfohlene Zitierweise: Markus Lang, Rezension zu: Jürgen Beyer: Managerherrschaft in Deutschland? Opladen/Wiesbaden: 1998, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/4662-managerherrschaft-in-deutschland_10278, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 10278
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Dr., Politikwissenschaftler.
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