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/ 05.06.2013
Andreas Netzler / Michael Opielka (Hrsg.)

Neubewertung der Familienarbeit in der Sozialpolitik

Opladen: Leske + Budrich 1998; 160 S.; kart., 29,80 DM; ISBN 3-8100-2204-7
Es ist keine neue Forderung, insbesondere von Feministinnen, die (vornehmlich von Frauen geleistete) Familien- und die Erwerbsarbeit nicht nur in Sonntagsreden als gleichwertig zu betrachten, sondern auch die dazu notwendigen Anpassungen beispielsweise im Bereich der sozialen Sicherung vorzunehmen. Die Beiträge des Sammelbandes beleuchten das Thema aus juristischer, ökonomischer, sozialpolitischer und soziologischer Perspektive. Zudem wird ein Modell zur Zahlung eines Erziehungsgehaltes entwickelt und die Familienpolitik im europäischen Vergleich dargestellt. In allen Beiträgen kommt zum Ausdruck, wie sehr gerade in Deutschland die Erziehungsarbeit als private und nicht als gesellschaftliche Aufgabe verstanden wird, was massive Ungerechtigkeiten zur Folge hat, die im Gegensatz zu dem im Grundgesetz garantierten "besonderen Schutz" der Familie stehen. In den Aufsätzen entsteht jedoch - trotz gegenteiliger Beteuerungen - teilweise der Eindruck, daß die erziehenden Elternteile (vermutlich auch in Zukunft vornehmlich Frauen) durch die vorgeschlagenen Maßnamen praktisch vollständig aus dem Arbeitsmarkt herausgedrängt werden können. Damit stellt sich die Frage, welche Perspektiven sich für diese Personen nach Abschluß der Familienphase, aber vor Eintritt in das Rentenalter bieten sollen - eine berufliche Tätigkeit dient bekanntlich nicht nur dem Gelderwerb, sondern hat auch andere, wesentliche Funktionen. Dieser Aspekt bleibt in den Aufsätzen jedoch zumeist eher unterbelichtet. Inhalt: Matthias Pechstein: Familiengerechtigkeit und Sozialstaatlichkeit (15-32); Ilona Ostner: Frauengerechtigkeit und Familienpolitik (33-43); Andreas Netzler: Verteilungsstrukturen und Äquivalenz der Familienarbeit (45-68); Petra Buhr: Armut durch Kinder - zur Logik der Benachteiligung von Familienarbeit im Sozialstaat (69-83); Michael Opielka: Bezahlte Elternschaft. Voraussetzungen und Folgen einer monetären Anerkennung der Erziehungsarbeit durch ein Erziehungsgehalt (85-122); Thomas Bahle: Familienarbeit und Typen der Familienpolitik in Europa (123-138); Rosemarie von Schweitzer: Neubewertung der Familienarbeit in der Sozialpolitik - Probleme und Perspektiven (139-158).
Silke Becker (Be)
Dipl.-Soziologin; freie Journalistin.
Rubrizierung: 2.3422.36 Empfohlene Zitierweise: Silke Becker, Rezension zu: Andreas Netzler / Michael Opielka (Hrsg.): Neubewertung der Familienarbeit in der Sozialpolitik Opladen: 1998, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/6933-neubewertung-der-familienarbeit-in-der-sozialpolitik_9285, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 9285 Rezension drucken
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