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/ 06.06.2013
Gabriele Stief

Nur wer mitgestaltet, überlebt. Gewerkschaft als Motor

Berlin: Aufbau-Verlag 2005; 202 S.; geb., 14,90 €; ISBN 3-351-02604-8
„Noch haben die Gewerkschaften sechsmal so viele Mitglieder wie alle Bundestagsparteien zusammen“ (8), stellen Stief und Contenius einleitend fest. Doch wie kann die künftige Rolle der von Mitgliederschwund und Imageverlust gebeutelten Arbeitnehmervertretung aussehen? Um Perspektiven für die Zukunft aufzuzeigen, blickt das Autorenduo auf die wechselvolle Geschichte gewerkschaftlicher Interessenvertretung zurück. Am Beispiel der IG Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) zeichnen sie schlaglichtartig den beschwerlichen Prozess einer „Modernisierung ohne Aufkündigung von Traditionen“ (49) nach. Dies geschieht zunächst in Form von biografischen Porträts einzelner Funktionäre über deren Motive für den Eintritt in die Gewerkschaft. Anschließend werden interne Richtungsstreits und der Wandel von Konfrontation zu ersten Anfängen einer institutionalisierten Sozialpartnerschaft in den 70er-Jahren, die Arbeitszeitdebatte der 80er-Jahre, die Krise des Flächentarifvertrags, das Scheitern des Bündnisses für Arbeit sowie die aktuelle Mitbestimmungsdebatte beschrieben. Dabei zeigt sich, dass „Gewerkschaften längst zu Co-Managern der Arbeit geworden [sind]“ (88), wobei der moderate Kurs der IG BCE als gewerkschaftlicher Sonderfall gilt. Doch insgesamt befänden sich die Gewerkschaften auf der Suche nach einem neuen Selbstverständnis. Um in der Wirklichkeit anzukommen, müssten sie die Rolle eines verantwortlichen Mitgestalters einnehmen und sich den neuen Herausforderungen stellen, denn: „Die Politik braucht Verbündete in der Gesellschaft, um das Soziale gegen die Allmacht des Marktes zu verteidigen.“ (151) Elemente einer Reform wären u. a. die Stärkung des Dachverbands, eine moderne Kommunikation und eine neue Organisationsstruktur, eine kreative Tarifpolitik und die Europäisierung gewerkschaftlicher Arbeit. In einem Streitgespräch diskutieren Oskar Negt und Hubertus Schmoldt abschließend über die Zukunftsfähigkeit der Gewerkschaften.
Anke Rösener (AR)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.3312.342 Empfohlene Zitierweise: Anke Rösener, Rezension zu: Gabriele Stief: Nur wer mitgestaltet, überlebt. Berlin: 2005, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/8966-nur-wer-mitgestaltet-ueberlebt_28636, veröffentlicht am 25.06.2007. Buch-Nr.: 28636 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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