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/ 17.06.2013
Oscar W. Gabriel / Volker Kunz / Sigrid Roßteutscher / Jan W. van Deth

Sozialkapital und Demokratie. Zivilgesellschaftliche Ressourcen im Vergleich

Wien: WUV-Universitätsverlag 2002 (Schriftenreihe des Zentrums für Angewandte Politikforschung 24); 283 S.; geb., 25,- €; ISBN 3-85114-571-2
Das Konzept des Sozialkapitals erfreut sich gegenwärtig großer Popularität. In der sozialwissenschaftlichen Diskussion dient es neuerdings zur Erklärung gesellschaftlicher Desintegrationstendenzen; in der politischen Debatte wird es vielfach als Untermauerung von Appellen zur Stärkung bürgerschaftlichen Gemeinsinns verwendet. Allerdings sind schon mit Blick auf die viel beachteten Studien des amerikanischen Politologen Putnam (siehe ZPol 3/02: 1.194 f.) - einem entschiedenen Verfechter dieses Ansatzes - die empirische Fundierung des Konzepts problematisiert und Unklarheiten der - mikro- oder makroanalytischen? - Argumentationsrichtung kritisiert worden. Dieser Untersuchung geht es nicht um eine normative Auseinandersetzung, sondern um eine international vergleichend angelegte Überprüfung des empirischen Gehalts der im Kontext des Sozialkapitalansatzes vertretenen Thesen. Auf der Basis von drei Wellen des World Values Surveys (Anfang der 80er-, Anfang und zweite Hälfte der 90er-Jahre) sind Daten aus 12 "sozioökonomisch hochentwickelten repräsentativen Demokratien" (USA und Europa) sekundäranalytisch ausgewertet worden. Konzeptionell und auch im Aufbau orientiert sich die Studie einerseits an der Unterscheidung von Mikro- und Makroperspektive (Sozialkapital als individuelle Ressource bzw. als Kollektivgut) und andererseits an der Differenzierung von struktureller (soziale Beziehungen, Netzwerkstrukturen) und kultureller Ebene (soziales Vertrauen, gemeinschaftsbezogene Normen und Werte). Vor dem Hintergrund der verfügbaren Daten kommen die Autoren zu einer "eher skeptischen Einschätzung des Putnamschen Gesellschaftsentwurfs" (251); zumal die Annahme nicht haltbar sei, dass strukturelle und kulturelle Faktoren ein "kohärentes Beziehungsgefüge" des Sozialkapitals bildeten (252). Inhaltsübersicht: 1. Einführung: Das Konzept des Sozialkapitals; 2. Komponenten des Sozialkapitals und ihre Wechselbeziehungen auf der Mikroebene; 3. Sozialer Wandel, soziale Integration und die Produktion sozialen Kapitals; 4. Sozialkapital und der demokratische Staatsbürger; 5. Sozialkapital, Gesellschaft und Demokratie; 6. Sozialkapital und Bürgergesellschaft - Wirklich die Lösung aller Probleme?
Thomas Mirbach (MIR)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.23 Empfohlene Zitierweise: Thomas Mirbach, Rezension zu: Oscar W. Gabriel / Volker Kunz / Sigrid Roßteutscher / Jan W. van Deth: Sozialkapital und Demokratie. Wien: 2002, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/15248-sozialkapital-und-demokratie_17333, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 17333 Rezension drucken
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