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/ 04.06.2013

Telekratie oder Tele Morgana?

Andrea Wolf

Telekratie oder Tele Morgana? Politik und Fernsehen in Italien

Frankfurt a. M. u. a.: Peter Lang 1997 (Italien in Geschichte und Gegenwart 6); 207 S.; ISBN 3-631-30234-7
Wolf analysiert die hinter dem allseits verwendeten Begriff der Telekratie stehenden und auch nach dem schnellen Sturz des Politikers Berlusconi bleibenden Strukturen des italienischen Mediensystems und seine Auswirkungen auf die Politik. Aus Habermas' Demokratiemodell entwickelt die Autorin ein Bewertungsschema, das es erlaubt, eine "vermachtete, aufgrund privater Interessen manipulierte öffentliche Meinung" von einer "normativ erwünschten, diskursiv strukturierten" Öffentlichkeit zu scheiden (...
Andrea Wolf

Telekratie oder Tele Morgana? Politik und Fernsehen in Italien

Frankfurt a. M. u. a.: Peter Lang 1997 (Italien in Geschichte und Gegenwart 6); 207 S.; brosch., 65,- DM; ISBN 3-631-30234-7
Wolf analysiert die hinter dem allseits verwendeten Begriff der Telekratie stehenden und auch nach dem schnellen Sturz des Politikers Berlusconi bleibenden Strukturen des italienischen Mediensystems und seine Auswirkungen auf die Politik. Aus Habermas' Demokratiemodell entwickelt die Autorin ein Bewertungsschema, das es erlaubt, eine "vermachtete, aufgrund privater Interessen manipulierte öffentliche Meinung" von einer "normativ erwünschten, diskursiv strukturierten" Öffentlichkeit zu scheiden (35). Die Autorin geht davon aus, daß das italienische Mediensystem sowohl "Spiegelbild" als auch "Produkt" des italienischen politischen Systems ist (36). Wegen des engen Zusammenhangs von Medien und Politik stellt Wolf zunächst kurzgefaßt und prägnant die Entwicklung Italiens von der "blockierten Demokratie" (37) bis zu den Wahlen 1996 und dem Sieg des Mitte-Links-Bündnisses dar. Die Defizite des italienischen politischen Systems - instabile Regierungen bei gleichzeitig hoher personeller Kontinuität, verfestigte Parteienherrschaft, Klientelismus und Korruption - bilden den Hintergrund für die Analyse des Mediensystems. Die Autorin skizziert die Entwicklung zu dem heute vorherrschenden Duopol - staatliche Massenmedien auf der einen, Berlusconis Konzern Fininvest auf der anderen Seite - und untersucht abschließend die Reformentwürfe verschiedener Parteien. Wolf kommt zu dem Ergebnis, daß - aufgrund der "symbiotischen Beziehung" (184) von Politik und Medien - eine Öffnung des Mediensystems auch vom politischen Wandel abhängig sein wird. Inhaltsübersicht: 2. Massenmedien und politische Öffentlichkeit im Kontext deliberativer Politik; 3. Das politische System Italiens - von der institutionellen Blockade zum politischen Wandel; 4. Der italienische Fernsehmarkt: Duopol zwischen Reform und Machtinteressen; 5. Chancen für einen Wandel in Italiens Politik und Medien?
Julia von Blumenthal (JB)
Prof. Dr., Institut für Sozialwissenschaften, Humboldt-Universität zu Berlin.
Rubrizierung: 2.612.22 Empfohlene Zitierweise: Julia von Blumenthal, Rezension zu: Andrea Wolf: Telekratie oder Tele Morgana? Frankfurt a. M. u. a.: 1997, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/3580-telekratie-oder-tele-morgana_4779, veröffentlicht am 25.06.2007. Buch-Nr.: 4779 Rezension drucken
CC-BY-NC-SA