/ 22.06.2013
Stéphane Hessel / Edgar Morin
Wege der Hoffnung. Aus dem Französischen von Michael Kogon
Berlin: Ullstein 2011; 70 S.; geb., 9,99 €; ISBN 978-3-550-08006-7Dass die Wege der Hoffnung für die westlichen Gesellschaften auf kaum siebzig Seiten umrissen werden, belegt die Intention der Autoren Hessel und Morin, ein moralisches Manifest zu liefern: Die Krise der Politik, der wirtschaftsliberalen Ökonomie und der Zivilisation überhaupt erfordere ein Neudenken bzw. ein Neubegründen sozialer Gemeinschaft innerhalb der Demokratie. Der Mensch zerstöre sich und seine Umwelt, die dem Takt der Rationalisierung unterworfene Technik, Ökonomie und Wissenschaft lassen das Schreckbild des mit Massenvernichtungswaffen geführten Weltkrieges real erscheinen. Die Autoren plädieren für eine Neubelebung zwischenmenschlicher Solidarität im lokalen sowie globalen Rahmen. Sie werden konkret bei erzeugerorientierten Wirtschaftsstrukturen oder der Armutsbekämpfung, postulieren jedoch nur thesenartig einen neuen Humanismus in Bildung, Kunst und Kultur. Insgesamt fordern sie eine neue Ethik und Poetik des Lebens. Die Rückkehr zum Menschen als Norm fundiert in ihren Augen zugleich die Demokratie neu, bleibt jedoch bei den Aufgaben und Grenzen des Nationalstaates im internationalen Rahmen ungenau und widersprüchlich. Morin und Hessel, beide Mitglieder der Résistance, schreiben von einer moralischen Restauration als politisches Postulat, wollen anprangern und zur Umkehr aufrufen. Ihr knappes Manifest verkündet nicht mehr, aber auch nicht weniger, als das Credo einer besseren Welt.
Ellen Thümmler (ET)
Dr., Politikwissenschaftlerin, wiss. Mitarbeiterin, Institut für Politikwissenschaft, Technische Universität Chemnitz.
Rubrizierung: 2.22 | 2.61
Empfohlene Zitierweise: Ellen Thümmler, Rezension zu: Stéphane Hessel / Edgar Morin: Wege der Hoffnung. Berlin: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/34982-wege-der-hoffnung_42081, veröffentlicht am 14.06.2012.
Buch-Nr.: 42081
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Dr., Politikwissenschaftlerin, wiss. Mitarbeiterin, Institut für Politikwissenschaft, Technische Universität Chemnitz.
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