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/ 22.06.2013
Robert Misik

Anleitung zur Weltverbesserung. Das machen wir doch mit links

Berlin: Aufbau-Verlag 2010; 217 S.; 17,95 €; ISBN 978-3-351-02725-4
Misiks essayistische Intervention gegen „forsche Marktfetischisten“ (167) und das „Elend des Neoliberalismus“ (8) bedient einen nicht mehr zeitgemäßen Links-Rechts-Gegensatz. Er bietet die Kategorien von progressiver und althergebrachter Politik an, wobei letztere als in der Regel neoliberale Apologetik des „perfekten Marktes“ (22) identifiziert wird. Auf dieser Grundlage gelingt ihm dennoch in sechs instruktiven Kapiteln eine Gegenwartsdiagnose der repräsentativen Demokratie in Europa, mit der er nicht nur die Krise des globalen Kapitalismus sowie die der europäischen Sozialdemokratie erörtert, sondern auch Perspektiven für eine nachhaltige Re-Demokratisierung eröffnet. Der Essay besticht nicht nur durch Misiks eindringliches Plädoyer für eine egalitärere Gesellschaft, in der mehr Menschen an den gesellschaftlichen Ressourcen (Einkommen, Bildung etc.) teilhaben und somit konstruktiv am Fortbestand der Gesellschaft mitwirken könnten. Durch die Vermeidung allzu krasser Statusunterschiede würden die Menschen insgesamt glücklicher – und damit produktiver. Auch die Überlegungen zur „Mitmach-Demokratie“ im Sinne einer „Demokratisierung der Demokratie“ (162), basierend etwa auf der Beobachtung des Präsidentschaftswahlkampfs Obamas, der von der intensiven, beidseitigen Nutzung des Web 2.0 profitierte, entfalten eine mitreißende Wirkung und das obschon die Debatte um die Demokratisierungspotenziale des Internets in den Sozialwissenschaften weder gänzlich neu, noch von Begeisterungsstürmen begleitet ist. Misik hat sich vorgenommen, „eine Lanze [zu] brechen für progressive Reformen in unserem Land.“ (13) So begrüßenswert dieses Vorhaben auch ist, so bleibt doch fraglich, ob das Buch zur Umsetzung dieses Ziels beitragen wird. Denn wer ohnedies linksliberale oder sozialdemokratische Positionen vertritt, den wird es in vielen Punkten begeistern und bestätigen und – entsprechend der Intention Misiks – auch inspirieren können. Ob das auch für das nicht-progressive Lager gilt, darf bestritten werden. Dabei besteht nach Meinung des Autors doch gerade bei den Apologeten des ungehemmten Marktes das größte Erkenntnisdefizit.
Matthias Lemke (LEM)
Dr. phil., Politikwissenschaftler (Soziologe, Historiker), wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Helmut-Schmidt-Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.3312.35 Empfohlene Zitierweise: Matthias Lemke, Rezension zu: Robert Misik: Anleitung zur Weltverbesserung. Berlin: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/32917-anleitung-zur-weltverbesserung_39318, veröffentlicht am 08.12.2010. Buch-Nr.: 39318 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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