/ 21.06.2013
Petra Dobner
Bald Phoenix, bald Asche – Ambivalenzen des Staates
Berlin: Verlag Klaus Wagenbach 2009 (Politik bei Wagenbach); 93 S.; 9,90 €; ISBN 978-3-8031-2623-8Der Titel des Bandes macht die ambivalente Haltung der öffentlichen Diskussion gegenüber dem Staat deutlich: Im Augenblick fungiert er angesichts des vielfältigen Versagens der regulativen Kräfte des Marktes als gefragter Retter in der Krise. Ist diese überwunden, wird er schnell zum Buhmann für alle vermeintlichen und tatsächlichen Fehlentwicklungen. Dobner konstatiert für die öffentliche Debatte eine aus einem ambivalenten Verhältnis zum Staat gespeiste, oftmals ungerechte Kritik und unrealistische Forderungen an den Staat. Diese Form der Staatskritik erschwere die kritische Analyse tatsächlicher Probleme und verhindere somit eine demokratisch-aufgeklärte, auf erfüllbaren Erwartungen basierende Politik. „Doch unter den Bedingungen einer nach ebenso wie vor der Wirtschaftskrise neoliberal geprägten Globalisierung ist es geradezu eine Notwendigkeit, die Konsistenz tradierter Haltungen zum Staat zu überprüfen und die Handlungsmöglichkeiten von Staat und Regierung durchaus kritisch, aber auch realistisch auszuloten.“ (15) So analysiert und kritisiert Dobner in vier Kapiteln ambivalente Haltungen zum Staat: Der dauerhaft beschworene Obrigkeitsstaat wird im ersten Abschnitt als eine Herrschaftsform gekennzeichnet, die demokratischer Mitbestimmung unzugänglich ist. Im zweiten Abschnitt zeichnet sie die Verschiebung von einer Staat- hin zu einer Marktorientierung nach und macht deutlich, dass dies weniger der Dominanz und Überzeugungskraft neoliberaler Ideologie als Vielmehr dem mangelnden Widerstand der Gegenpositionen geschuldet ist. Im dritten und vierten Kapitel zeigt Dobner, dass gegen den Rechts- und Sozialstaat vielfältige, auf individuellen Gerechtigkeitsvorstellungen basierende Kritik vorgebracht wird, die beide delegitimiert, obwohl wir auf deren Leistungsfähigkeit nicht verzichten können. Im Schlusskapitel plädiert sie für einen kritischen Etatismus, der von einer aufgeklärten, demokratischen Grundhaltung und weniger Selbstgerechtigkeit geprägt ist. Die Autorin bietet eine in höchstem Maße anregende Lektüre, selbst wenn man vielleicht nicht jedem ihrer Argumente folgen mag.
Stefan Göhlert (SG)
M. A., Politikwissenschaftler, Protokollchef und Bürgerbeauftragter in der Verwaltung der Stadt Jena.
Rubrizierung: 2.21 | 2.3 | 5.41
Empfohlene Zitierweise: Stefan Göhlert, Rezension zu: Petra Dobner: Bald Phoenix, bald Asche – Ambivalenzen des Staates Berlin: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/31456-bald-phoenix-bald-asche--ambivalenzen-des-staates_37443, veröffentlicht am 02.06.2010.
Buch-Nr.: 37443
Inhaltsverzeichnis
Rezension drucken
M. A., Politikwissenschaftler, Protokollchef und Bürgerbeauftragter in der Verwaltung der Stadt Jena.
CC-BY-NC-SA