/ 11.06.2013
Manfred Hettling / Jörg Echternkamp (Hrsg.)
Bedingt erinnerungsbereit. Soldatengedenken in der Bundesrepublik
Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 2008; 176 S.; kart., 17,90 €; ISBN 978-3-525-36756-8In Berlin entsteht derzeit das erste zentrale Bundeswehr-Ehrenmal, das die Inschrift tragen wird „Den Toten unserer Bundeswehr. Für Frieden, Recht und Freiheit“. Dieser Bau markiere, so die Herausgeber im Vorwort, „einen bedeutsamen Einschnitt in der Gedenkkultur der Bundesrepublik“ (7), denn erstmals werde die Erinnerung an den Tod von Soldaten wieder positiv gedeutet. Zugleich spiegele sich darin der sich seit den 90er-Jahren vollziehende Wandel der Bundeswehr von einer Verteidigungs- zu einer Einsatzarmee. Nach ihrer Gründung 1955 sei die Bundeswehr strikt auf die Landesverteidigung ausgerichtet gewesen, ein militärischer Einsatz als reale Kriegshandlung sei nicht vorstellbar gewesen. Doch durch die Auslandseinsätze hätten sich Rolle und Aufgaben der Bundeswehr grundlegend verändert. Damit habe sich auch das Verhältnis von Militär und Gesellschaft gewandelt. Bisher sei diese Entwicklung von der bundesdeutschen Öffentlichkeit in nicht ausreichendem Maße wahrgenommen worden. Es habe sich, so Hettling, eine „schweigende Mehrheit aus Bevölkerung und politischen Parteien gefunden, die einer Diskussion in politischen Kategorien über außenpolitische Konstellationen, über staatliche Interessen und über militärische Möglichkeiten“ (16) ausweiche. Dem wollen die Herausgeber entgegenwirken und eine Diskussion zu dieser heiklen Problematik anregen. Daher haben Hettling, Professor für Geschichte in Halle, und Echternkamp, Wissenschaftler am Militärgeschichtlichen Forschungsamt in Potsdam, im Oktober 2007 eine Tagung zum „Tod des Soldaten als demokratische Herausforderung“ organisiert. Historiker, Soziologen, Theologen, Architekten und Kunsthistoriker bilanzieren und skizzieren am Beispiel der Errichtung des Ehrenmals historische Traditionen des Soldatengedenkens in Deutschland und fragen, welche Angebote es heute vonseiten der Religion und der Psychologie für die Trauernden gibt. Darüber hinaus wird erörtert, wie sich das Ehrenmal in die deutsche Denkmalslandschaft einfügt.
Sabine Steppat (STE)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.35
Empfohlene Zitierweise: Sabine Steppat, Rezension zu: Manfred Hettling / Jörg Echternkamp (Hrsg.): Bedingt erinnerungsbereit. Göttingen: 2008, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/9606-bedingt-erinnerungsbereit_35332, veröffentlicht am 03.03.2009.
Buch-Nr.: 35332
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