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/ 21.06.2013
Andreas Dörner / Ludgera Vogt

Das Geflecht aktiver Bürger. 'Kohlen' – eine Stadtstudie zur Zivilgesellschaft im Ruhrgebiet

Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften 2008; 247 S.; brosch., 34,90 €; ISBN 978-3-531-15758-0
Das Buch ist eine explorative Stadtstudie über die Funktionsweise einer Bürgergesellschaft vor Ort. Am Beispiel einer Mittelstadt am nördlichen Rand des Ruhrgebiets wird aufgezeigt, warum sich Akteure engagieren, welche Rolle posttraditionale Gemeinschaften dabei spielen, welche Karrieremuster in der Bürgergesellschaft greifen und wie sich Strukturen sozialer Ungleichheit bemerkbar machen. Die Feldstudie ist durch Interviews, Medienauswertungen und die Analyse dreier Organisationen empirisch fundiert. Für die Autoren ist deutlich geworden, dass die Traditionen bürgerschaftlichen Engagements in Deutschland tiefer reichen als gemeinhin angenommen. Dabei verschweigen sie jedoch nicht, dass die Motivlagen der freiwillig Engagierten eine „Mischung aus Gemeinsinn und Eigennutz“ (9) zeigen. Ein ähnliches Bild von Ambivalenz wird in den Möglichkeiten der Partizipation deutlich: Da neben Bildungs- und Sozialkapital auch ökonomisches Kapital eingebracht werden muss, ist ein Engagement für gewisse Schichten oder Milieus nur bedingt möglich. Dörner und Vogt halten fest: „Geld, Bildung und Beziehungen sind erforderlich, wenn Menschen aktiv werden wollen. Bürgergesellschaft wird hier als ein Gebilde erkennbar, das durch Strukturen sozialer Ungleichheit gekennzeichnet ist und daher noch immer erhebliche Partizipationsasymmetrien aufweist“ (11). Im Bereich der Karrieremuster arbeiten die Autoren unter Bezug auf das Konzept Ulrich Becks zur Bürgerarbeit heraus, dass die Grenzen zwischen Berufs- und Freiwilligenarbeit durchlässiger werden. Dies liege auch daran, dass sich neue Organisationsformen wie Bürgerstiftungen und Freiwilligenagenturen bilden und sich die „klassische deutsche Verbändewohlfahrt“ diesen Entwicklungen anpasst, indem sie teilweise „ihre Organisations- und Partizipationsformen reformiert“ (210). Vor allem wird sichtbar, dass zivilgesellschaftliche Funktionsfähigkeit angewiesen ist auf eine enge Vernetzung von Akteuren und Organisationen, also auf eine gute Kooperationsstruktur.
Timo Lüth (TIL)
Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.3252.331 Empfohlene Zitierweise: Timo Lüth, Rezension zu: Andreas Dörner / Ludgera Vogt: Das Geflecht aktiver Bürger. Wiesbaden: 2008, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/28970-das-geflecht-aktiver-buerger_34208, veröffentlicht am 25.11.2008. Buch-Nr.: 34208 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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