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/ 18.06.2013
Uwe Saint-Mont

Das Spiel der Interessen. Ein Essay über verblüffende Parallelen zwischen Politik, Wirtschaft, Soziologie und Biologie

Frankfurt a. M. u. a.: Peter Lang 2002 (Koinon: Sozialwissenschaftliche interdisziplinäre Studien 6); VIII, 147 S.; brosch., 34,- €; ISBN 3-631-39013-0
Saint-Mont versucht, verschiedene Grundmuster von Machtverhältnissen, die in Politik, Wirtschaft, Soziologie und Biologie zu beobachten sind, in einer allgemein gültigen Theorie der Macht zu synthetisieren, um „mit Freund und Feind rechnen" (135) zu können. Für die Logik der Macht gilt freilich eben das, was der promovierte Mathematiker für die Logik des Rechts feststellt: Sie ist nicht unbedingt zwingend und schon gar nicht voraussetzungslos. Die Machtfrage stellt sich heute im Bereich verfasster Politik regelmäßig als Rechtsfrage, immer häufiger freilich auch im Bereich des Ökonomischen. Um den Zweck seiner Abhandlung zu erreichen, nämlich formallogisch „mit Freund und Feind zu rechnen", muss der Verfasser jedoch davon ausgehen, dass jeder Konflikt zu beenden ist. Denn sonst können Gleichungen und Näherungen nicht „gelöst" werden. Der Autor ist vorsichtig genug, offen zu lassen, ob menschliche Konflikte berechenbar oder ausrechenbar sind. Dieses Dilemma des Rechnens mit Konflikten kann aber nur bewältigt werden, indem sich der Autor in überindividuelle beziehungsweise Generationen übergreifende Modelle der Evolution begibt, was nicht immer unproblematisch ist. Manche Konkretisierungen Saint-Monts sind historisch problematisch: Wenn der Autor „in Beton gegossene Auswanderungshemmnisse" (107) des 20. Jahrhunderts mit der mittelalterlichen Leibeigenschaft unter dem tertium comparationis der Bindung schwacher Subjekte an starke Gemeinschaften gleichsetzt, so ist dies eine fehlerhafte Verkürzung: Die erst durch die Moderne möglich gewordenen Formen totalitärer Herrschaft sind auf vormoderne Gesellschaften nicht übertragbar. Zuletzt: Ein derart fehlerübersäter Text dürfte sogar in Zeiten sich beschleunigender Textverarbeitung selten gedruckt werden.
Daniel Hildebrand (DH)
Historiker.
Rubrizierung: 2.2 Empfohlene Zitierweise: Daniel Hildebrand, Rezension zu: Uwe Saint-Mont: Das Spiel der Interessen. Frankfurt a. M. u. a.: 2002, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/20246-das-spiel-der-interessen_23598, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 23598 Rezension drucken
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