/ 22.06.2013
Thomas Wagner
Demokratie als Mogelpackung. Oder: Deutschlands sanfter Weg in den Bonapartismus
Köln: PapyRossa Verlag 2011 (Neue Kleine Bibliothek 168); 143 S.; 11,90 €; ISBN 978-3-89438-470-8Wagner, Kultursoziologe und Publizist, versucht in seinem Buch herauszufinden, welche Überlegungen und Interessen hinter den prominenten und immer wiederkehrenden Forderungen nach mehr Demokratie stecken. Unter Bezugnahme auf Domenico Losurdo (siehe Buch-Nr. 34567) schildert er, dass die bereits zu Zeiten Napoleons III. vorhandene Abneigung gegenüber den Parteien sich heutzutage wieder großer Beliebtheit erfreut. Schon damals war man der Auffassung, dass die Parteien den Volkswillen verfälschen und so eine der Mehrheit genehme politische Führung nicht möglich ist. Eben diese Überlegungen und Ressentiments tauchen nach Wagner immer wieder in aktuellen Diskursen u. a. über Änderungen des Wahlrechts, die Direktwahlen von Bundespräsident, Ministerpräsidenten oder gar des Bundeskanzlers ex- oder implizit auf. Er zeigt unter Bezugnahme auf eine Reihe von populären Debatten, die in den vergangenen Jahren in täglich oder wöchentlich erscheinenden Printmedien geführt wurden, dass von diversen politischen Seiten die Idee einer sozialen Demokratie gefährdet wird. Hierzu zählt zum Beispiel die von Peter Sloterdijk 2009 angestoßene Debatte um eine gerechtere Finanzierung des Gemeinwesens, die dieser – nachdem er sich heftige Kritik gefallen lassen musste – laut Wagner über den Umweg eines vermeintlichen Angriffs auf die Bürgerrechte zu begründen versuchte. Prägnant zeichnet Wagner zudem die auch von Seiten der Neuen Rechten stetig geäußerten Forderungen nach mehr Volksbeteiligung nach. Insbesondere die Spitzenpolitiker von NPD und den Republikanern bemängeln beständig die Defizite im parlamentarischen System und fordern eine Stärkung der direkten Demokratie. Es ist ihr Ziel, über die Hintertür rechte Politiken umzusetzen, die auf parlamentarischer Ebene nicht zu verwirklichen sind. Wagner gelingt es, die Sensibilität des Lesers für die Hintergründe der Forderungen nach mehr Volksbeteiligung im politischen System zu erhöhen. Sein Beweggrund ist nachvollziehbar, gilt es doch den emanzipatorischen und gerechten Charakter der Demokratie zu bewahren.
Christoph Mohamad-Klotzbach (CHM)
M. A., Politikwissenschaftler (Soziologe, Historiker), wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft und Sozialforschung, Julius-Maximilians-Universität Würzburg.
Rubrizierung: 2.331 | 2.332 | 5.41
Empfohlene Zitierweise: Christoph Mohamad-Klotzbach, Rezension zu: Thomas Wagner: Demokratie als Mogelpackung. Köln: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/34359-demokratie-als-mogelpackung_41245, veröffentlicht am 27.10.2011.
Buch-Nr.: 41245
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M. A., Politikwissenschaftler (Soziologe, Historiker), wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft und Sozialforschung, Julius-Maximilians-Universität Würzburg.
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