/ 20.06.2013
Yury Winterberg
Der Rebell. Ottfried Hepp: Neonazi, Terrorist, Aussteiger
Bergisch Gladbach: Gustav Lübbe Verlag 2004; 382 S.; geb., 19,90 €; ISBN 3-7857-2160-9Bereits seit längerem plädieren Extremismusforscher dafür, zur Ursachenerforschung den biografischen Ansatz zu nutzen. Dem wird zumeist in der Form von Aufsätzen und nur in sehr wenigen Fällen in ausführlicherer und damit erklärungskräftigerer Form nachgekommen. Eine solche Ausnahme stellt diese Biografie des Rechtsterroristen Ottfried Hepp dar. Weitgehend chronologisch erzählt der szenekundige Journalist Winterberg Hepps Lebensgeschichte von dessen Hitler verehrendem Vater, der Sozialisation in der Wikingjugend und der Wehrsportgruppe Hoffmann, den Bombenattentaten bis hin zur Flucht in die DDR und der späteren Haftstrafe sowie dem Ausstieg aus der Szene. Dem Journalisten gelingt es, neben der individuellen Entwicklung Hepps ebenso die Geschichte der rechtsextremen Szene und die vielfältigen Verstrickungen Hepps darin anschaulich zu schildern. Den bei Biografien schwierigen Spagat zwischen Nähe und Distanz hält der Autor durchgehend durch. Stellenweise liest sich das Buch wie ein Abenteuerroman, was mit Hepps ereignisreichem Leben zusammenhängt, etwa seinen Erfahrungen im Libanon während des Bürgerkrieges.
Christoph Busch (CHB)
Dr., Ministerium für Inneres und Kommunales des Landes Nordrhein-Westfalen.
Rubrizierung: 2.37
Empfohlene Zitierweise: Christoph Busch, Rezension zu: Yury Winterberg: Der Rebell. Bergisch Gladbach: 2004, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/22584-der-rebell_25767, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 25767
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Dr., Ministerium für Inneres und Kommunales des Landes Nordrhein-Westfalen.
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