/ 20.06.2013
Werner Rügemer (Hrsg.)
Die Berater. Ihr Wirken in Staat und Gesellschaft
Bielefeld: transcript 2004 (xtexte); 243 S.; kart., 21,80 €; ISBN 3-89942-259-7Die Globalisierung sei kein unabwendbares Naturereignis, schreibt Rügemer, sondern „hat Namen, Adressen und Telefone" (10) - Unternehmensberater, Wirtschaftsprüfer und -kanzleien stellten die „globale Privatarmee des Neoliberalismus" (8), die fast unbemerkt von der Öffentlichkeit weit in die Politik vorgedrungen sei. Die Autoren bezweifeln zwar nicht, dass es in Ministerien, Kommunen, Schulen und Sozialeinrichtungen Beratungsbedarf gibt. Aber die angeheuerten, teuer bezahlten Berater erhöhten nicht die Wirtschaftskompetenz ihrer Auftraggeber. Vielmehr setzten sie lediglich die ökonomische Effizienz einer Institution mit kapitalistischer, einzelbetrieblicher Effizienz gleich, wobei Arbeitnehmer nur als Kostenfaktor gesehen würden. So werde Beschäftigung abgebaut und nicht geschaffen. Es gebe auch keinen empirischen Beleg dafür, dass die vorgeschlagenen Konzepte jemals einen positiven Nutzen erbracht haben, den es ohne sie nicht gegeben hätte - im Gegenteil. Die Autoren benennen zahlreiche Beispiele von Korruption, Gefälligkeitsgutachten und Fehleinschätzungen, für die am Ende immer der Steuerzahler gerade zu stehen hat. Deutlich kritisiert wird außerdem die Vergabe der Beraterverträge sowie deren anschließende Umsetzung als ein oft nicht transparenter, undemokratischer Prozess. „Vollbracht wurde eine Ersetzung von Politik durch Betriebswirtschaft" (129), schreibt Peer Pasternack mit Blick auf die Beratung von Hochschulen, wobei sich dieses Fazit für alle in diesem Band beschriebenen Fälle ziehen lässt. Sogar die CDU und ihre Vorsitzende Merkel haben sich bei der Abfassung des Parteiprogramms „Neue Soziale Marktwirtschaft" von McKinsey beraten lassen, schreibt Rügemer, und benennt damit die Politiker als die eigentlichen Verantwortlichen.
Aus dem Inhalt:
Aussteiger
Karsten Sauer / Michael Sahnau:
Der Berater, seine Zeit, seine Kunden und sein Körper. Aus dem Tagebuch eines Aussteigers (13-25)
Hedrick Smith / Mike Hamersley:
Wie ich zum „whistle blower" wurde (26-32)
Ernest Backes:
Wirtschaftsprüfer und was ich mit ihnen erlebte (33-43)
Wer sind die Berater?
Stephan Lindner:
Neoliberale Think-Tanks in Deutschland (47-60)
Anita Blasberg:
„Wir beraten nur" - Deutschlands einflussreichste Pharmalobbyistin. Ein Portrait (61-67)
Werner Rügemer:
Der Mythos der ökonomischen Effizienz. Berater als Akteure der neoliberalen Globalisierung (68-108)
Bildung und Wissenschaft
Alexander Häusler:
Die „unsichtbare" Hand des Marktes in der Schule (111-120)
Peer Pasternack:
Hochschulen zwischen Überrumpelung und Coaching (121-129)
Soziales und Kultur
Jochen Bülow:
McKinsey beim Erzbischof (133-142)
H.-Georg Lützenkirchen / Gregor Leschig:
Kultur - Die subversive Kraft der Beratungen (143-159)
Kommunen
Wolfgang Richter:
Das „dortmund-project" (163-174)
Werner Rügemer:
Beraten und verkauft: Die Kommunen (175-197)
Länderregierungen und Europäische Kommission
Martin Ruge:
Die Beratungslust der Landesfürsten - Beispiel Bayern (201-212)
Olivier Hoedeman:
Die Rolle der Berater in der Privatisierungsoffensive der EU (213-227)
Anhang
Berateraufträge in öffentlichen Verwaltungen und Unternehmen (Auswahl) (231-236)
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.331 | 2.325 | 2.34
Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Werner Rügemer (Hrsg.): Die Berater. Bielefeld: 2004, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/22184-die-berater_25298, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 25298
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Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
CC-BY-NC-SA