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/ 07.06.2013
Quentin Skinner

Die drei Körper des Staates. Aus dem Englischen von Karin Wördemann

Göttingen: Wallstein Verlag 2012 (Historische Geisteswissenschaften. Frankfurter Vorträge 2); 111 S.; brosch., 9,90 €; ISBN 978-3-8353-1157-2
In Anlehnung an Ernst Kantorowicz’ vielzitiertes Werk „Die zwei Körper des Königs“ entwirft Quentin Skinner eine ideengeschichtliche Genealogie des Staates, mit der er vor allem über die unterschiedlichen Weisen öffentlicher Machtkonzeptionen und über „den Charakter der Dispute, aus denen unser gegenwärtiges Verständnis des Staates hervorging“ (7), informieren will. Der Essay ist in vier Kapitel geteilt, in denen Skinner vornehmlich englische Staatstheoretiker aus dem 16. bis 20. Jahrhundert diskutiert. Kantorowicz dient Skinner vor allem als Kritikfolie für seine These des Unhistorischen von Staatsanalysen. So wirft er Kantorowicz vor, mit seiner Körper-Metapher lediglich die Staatsdebatten bis ins 17. Jahrhundert zu behandeln und dies, ohne das „Speerfeuer der Angriffe“ (24) gegen diese Begrifflichkeit zu berücksichtigen. Der Begriff „state“ sei aber nunmehr nicht nur im absolutistischen Sinne zu diskutieren, sondern auch als Volkskörper, „welcher selbst als Eigentümer der Souveränität betrachtet wird“ (25). Diese zweite Denkweise bezeichnet Skinner als populistische Auffassung des Staates. Im dritten Teil seiner Abhandlung thematisiert Skinner die Vertragstheorien von Hobbes und seinen Zeitgenossen, die er als fiktionale Auffassung des Staates benennt. Durch diese Bezeichnung soll der Akt der einvernehmlichen Vertragsschließung hervorgehoben werden, mit der „zwei Personen hervorgebracht werden, die im Naturzustand noch nicht existierten“ (52): eine juristische Person, der Souverän, und eine Person, commonwealth oder state, die durch das Einstimmigkeitsprinzip der Repräsentation zustande kommt. Die reduktionistischen Theorien des 18. und 19. Jahrhunderts beschreiben den Staat hingegen als ausschließlich juristisches Regierungsinstrument fern fiktionaler Übereinkunft. Skinner wehrt sich gegen die darauf aufbauende Interpretation, da eine derartige Auffassung von state „Regierungen in unserer marktorientierten und zunehmend globalisierten Welt in ihrem Ansehen diskreditiert und in ihrer Bedeutung geschmälert werden“ (84). Seine zu Beginn vorgebrachte Kritik des Unhistorischen derartiger Staatsdefinitionen erhält mit diesem umfassenden ideengeschichtlichen Einblick erneut Nachdruck. Vor dem Hintergrund der facettenreichen Ideen über den Staat hält Skinner auch ein Plädoyer für den Staat als einzige Organisationsform in der heutigen Zeit.
Anja Franke-Schwenk (AF)
Dr. des., wiss. Mitarbeiterin, Institut für Sozialwissenschaften (Bereich Politikwissenschaft), Universität Kiel.
Rubrizierung: 5.41 Empfohlene Zitierweise: Anja Franke-Schwenk, Rezension zu: Quentin Skinner: Die drei Körper des Staates. Göttingen: 2012, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/9262-die-drei-koerper-des-staates_43247, veröffentlicht am 31.01.2013. Buch-Nr.: 43247 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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