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/ 20.06.2013
Matthias Micus

Die "Enkel" Willy Brandts. Aufstieg und Politikstil einer SPD-Generation

Frankfurt a. M./New York: Campus Verlag 2005 (Campus Forschung 884); 236 S.; kart., 29,90 €; ISBN 3-593-37744-6
Nach einem Treffen mit Brandt in Norderstedt 1987 wurde in der SPD der Begriff der „Enkel Brandts” für die damals aufstrebende sozialdemokratische Führungsgeneration der Jahrgänge 1938 bis 1948 geprägt, die schließlich in den Neunzigern die Leitung der SPD übernahm. Zunächst widmet sich der Autor dem Sozialisationshintergrund der Nachkriegszeit im Allgemeinen und dem Weg der späteren „Enkel” in die SPD der Sechzigerjahre im Besonderen. Im Hauptteil steht die Beschreibung und Analyse des Aufstiegs von fünf Politikern im Mittelpunkt: Engholm, Lafontaine, Scharping, Schröder und Wieczorek-Zeul, wofür Micus auch Gespräche mit den Betroffenen selbst, oder, wo dies nicht möglich war, mit Weggefährten geführt hat. Bei allen biografischen Verschiedenheiten vereint die Fünf ein zweckorientiertes Verhältnis zur Partei, das Durchlaufen der Ochsentour von den Jusos über Landesverbände, Parlamentsmandate bis hin zur SPD-Bundesspitze sowie die professionelle Nutzung der Medien für eigene Ziele. Im Gegensatz zu früheren Führungsgenerationen der SPD haben die „Enkel” ein überwiegend instrumentelles, häufig auch opportunistisches Verständnis der eigenen Partei – Gerhard Schröder: „Wenn man von draußen reinkommt, riecht es etwas streng. Aber drinnen ist es schön warm.” (16)
Sebastian Galka (SGA)
Doktorand, Institut für Sozialwissenschaften (Bereich Politikwissenschaft), Universität Kiel.
Rubrizierung: 2.331 Empfohlene Zitierweise: Sebastian Galka, Rezension zu: Matthias Micus: Die "Enkel" Willy Brandts. Frankfurt a. M./New York: 2005, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/23626-die-enkel-willy-brandts_27134, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 27134 Rezension drucken
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