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/ 11.06.2013
Thomas Meyer / Rüdiger Ontrup / Christian Schicha

Die Inszenierung des Politischen. Zur Theatralität von Mediendiskursen. Wissenschaftliche Redaktion Carsten Brosda

Wiesbaden: Westdeutscher Verlag 2000; 337 S.; brosch., 68,- DM; ISBN 3-531-13433-7
Die Veröffentlichung dokumentiert die Forschungsergebnisse des an der Universität Dortmund im Fach Politikwissenschaft durchgeführten Projektes "Argumentativität und Theatralität politischer Diskurse in der Mediengesellschaft" und ist Bestandteil des DFG-geförderten Schwerpunktprogramms "Theatralität – Theater als kulturelles Modell in den Kulturwissenschaften". Die interdisziplinäre Zusammenarbeit u. a. mit der Theaterwissenschaft, der Soziologie, Philosophie und Psychologie prägt die Studie stark. Ihre Fragestellung "Welche Strategien benutzen Journalisten bei der Inszenierung politischer Themen in Bild und Wort? Wie verhalten sich diese unterschiedlichen theatralischen Diskursformen zu dem Anspruch der Massenmedien auf Information und Kommunikation?" (17) macht zwar medienvermitteltes politisches Geschehen zum Gegenstand der Analyse. Die Untersuchungsmethoden sind jedoch vorrangig der Kommunikationswissenschaft bzw. Publizistik zuzuordnen. Ausgangsfrage des Forschungsprojekts ist, ob "ein differenziertes Modell politischer Kommunikation mit unterscheidbaren Typen politischer Diskurse für Information, Meinungs- und Willensbildung" (23) normativ als Maßstab für öffentliche Kommunikationsprozesse vorausgesetzt werden kann. Theatralische Diskursformen und –elemente in medienvermittelten politischen Diskursen werden auf ihre Wirkungen im Hinblick auf politische Orientierungen sowie Handlungsbereitschaft hin untersucht und Kategorien dramatischer Handlungstypen entwickelt. Auf dieser Basis analysieren die Autoren ausgewählte Nachrichtensendungen und politische Magazine auf ihre Inszenierungsintensität bzw. Inszenierungsweise hin. Hierzu wiederum wurden eine Kategorisierung reiner theatralischer Diskursformen entwickelt, Hypothesen hinsichtlich der Aufnahmekapazität der unterschiedenen Typen für Argumentation und Information aufgestellt und an Fallanalysen qualitativ abgeglichen sowie durch eine quantitative Untersuchung ergänzt. Die Analyse politischer Informationssendungen widerlegt im Ergebnis die These, Inszenierungsstrategien in den Medien führten unvermeidlich dazu, daß Argumentation und Information in den Hintergrund geraten. Auch ansprechende und visuell reizvolle Beiträge können zahlreiche Hintergrundinformationen und Strukturen transportieren, dramaturgische Gestaltungsmittel die politische Meinungs- und Willensbildung der Zuschauer durchaus bereichern. Hierbei sind Theatralität und Informativität weitgehend vereinbar, während Theatralität und Argumentativität in einem prinzipiell problematischen Verhältnis zueinander stehen. Inhaltsübersicht: 2. Politik und Mediensystem; 3. Theatralität in der Mediengesellschaft – Aspekte des Theatralitätskonzepts; 4. Rhetorik und normative Theorie; 5. Rahmenanalysen; 6. Strategien medialer Inszenierungen – Typenbeispiele aus der Stichtagsanalyse; 7. Visualisierungsstrategien.
Christian Schütze (ChS)
Politikwissenschaftler.
Rubrizierung: 2.3332.35 Empfohlene Zitierweise: Christian Schütze, Rezension zu: Thomas Meyer / Rüdiger Ontrup / Christian Schicha: Die Inszenierung des Politischen. Wiesbaden: 2000, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/11459-die-inszenierung-des-politischen_13602, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 13602 Rezension drucken
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