/ 21.06.2013
Martin Sebaldt
Die Macht der Parlamente. Funktionen und Leistungsprofile nationaler Volksvertretungen in den alten Demokratien der Welt
Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften 2009; 423 S.; brosch., 49,90 €; ISBN 978-3-531-17059-6Do parliaments (still) matter? – So könnte man wohl die Fragestellung der Monografie Sebaldts über die „Funktionen und Leistungsprofile nationaler Volksvertretungen in den alten Demokratien der Welt“ am besten umschreiben. Er geht dabei sowohl hinsichtlich der Auswahl der untersuchten Staaten, bei der er sich auf die gängigen Demokratieindizes bezieht, als auch bei der Formulierung der Variablen zur Bestimmung des parlamentarischen Einflusses auf die jeweilige Performanz des Systems nachvollziehbar vor. Die Forschungsergebnisse werden in einem sehr umfangreichen Anhang der Arbeit, der knapp die Hälfte des gesamten Werkes ausmacht, auf die einzelnen Staaten bezogen dargestellt. Das Buch ist insofern eine Querschnittsanalyse dieser Einzelergebnisse. Wie man das Ergebnis dieser Analyse auch bewerten mag – allein die Zusammenstellung der Indikatorenausprägungen in den einzelnen Staaten stellt schon eine für die Forschung sehr ertragreiche Leistung dar, die sich für viele weitere Systemstudien nutzen lassen wird. Soweit es die Leitfrage und Darstellung der Länderstudien betrifft, seien nur wenige Bemerkungen erlaubt: Zum einen überrascht ein wenig, dass in den Länderdarstellungen im Anhang ein eigener Unterpunkt, der die strukturelle Zusammensetzung des jeweiligen Parlaments explizit benennt, fehlt. Diese geht nur indirekt aus anderen Indikatoren hervor. Zum anderen wird das Verhältnis von Parteien und Parlament nur hinsichtlich des Zusammenhangs zwischen der Macht des letzteren und dem jeweiligen Parteiensystem diskutiert. Dies erscheint etwas knapp, denn gerade die Frage, inwieweit die Macht des Parlaments durch die Parteien – genauer: Parteiführungen – dominiert wird, scheint doch die zentrale Frage des modernen Parlamentarismusdiskurses zu sein. Schließlich ist generell der Begriff der „Macht“ in diesem Zusammenhang nicht ganz überzeugend, eher wäre nach dem Einfluss oder der Relevanz von Parlamenten im System zu fragen gewesen. Im Endergebnis lässt sich wohl aber zu Recht feststellen: Parliaments do still matter!
Sven Leunig (SVL)
Dr., Politologe, Akademischer Rat, Institut für Politikwissenschaft, Universität Jena (www.svenleunig.de).
Rubrizierung: 2.21 | 2.22
Empfohlene Zitierweise: Sven Leunig, Rezension zu: Martin Sebaldt: Die Macht der Parlamente. Wiesbaden: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/31706-die-macht-der-parlamente_37781, veröffentlicht am 28.01.2010.
Buch-Nr.: 37781
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Dr., Politologe, Akademischer Rat, Institut für Politikwissenschaft, Universität Jena (www.svenleunig.de).
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