/ 18.06.2013
Wolfgang Bergem (Hrsg.)
Die NS-Diktatur im deutschen Erinnerungsdiskurs
Opladen: Leske + Budrich 2003; 243 S.; kart., 16,90 €; ISBN 3-8100-3706-0„Wie nie zuvor ist das Nazi-Regime seit einigen Jahren im kollektiven Gedächtnis der Deutschen präsent" (8), schreibt der Herausgeber im Vorwort und weist auf einige Beispiele hin, in denen Politiker das Dritte Reich für ihre Argumentationen (oder besser: Polemiken) instrumentalisierten. Die Autoren untersuchen deshalb „Ursachen, Formen und Funktionen" der Erinnerung an das NS-Regime sowie die „Konsequenzen und Implikationen der Vergegenwärtigung dieser Vergangenheit für die politische Kultur in Deutschland" (8). Außerdem werden die politische Legitimation sowie die Außen- und Sicherheitspolitik der Bundesrepublik in der jüngsten Vergangenheit vor dem Hintergrund der NS-Vergangenheit thematisiert. Die Beiträge basieren überwiegend auf Vorträgen der Tagung „Nationalsozialismus und Holocaust als negative Sinngeber der Berliner Republik". Diese wurde im April 2002 vom Arbeitskreis „Politik, Kultur, Sprache" der Deutschen Vereinigung für Politische Wissenschaft (DVPW) in der Akademie für Politische Bildung Tutzing veranstaltet.
Aus dem Inhalt:
Reinhard Wesel:
Gedenken als Ritual: Zum politischen Sinn „sinnentleerter Rituale" (17-39)
Birgit Schwelling:
Wie wurden aus Volksgenossen Staatsbürger? Der Wandel von Einstellungen und Mentalitäten nach dem Übergang vom Nationalsozialismus zur Bundesrepublik (41-57)
Horst-Alfred Heinrich:
Die kollektiven Erinnerungen an die Shoah als Störfaktor nationaler Identität (59-79)
Wolfgang Bergem:
Barbarei als Sinnstiftung? Das NS-Regime in Vergangenheitspolitik und Erinnerungskultur der Bundesrepublik (81-104)
Dariuš Zifonun:
Symbole der Schuld - Zeichen der Gnade. Schuldabwehr und Stigmaannahme im „Aufarbeitungsdiskurs" der Bundesrepublik (105-120)
Erik Meyer:
Erinnerungskultur als Politikfeld. Geschichtspolitische Deliberation und Dezision in der Berliner Republik (121-136)
Julia Kölsch:
Politik und Gedächtnis: Die Gegenwart der NS-Vergangenheit als politisches Sinnstiftungspotenzial (137-150)
Wolfgang Bialas:
Antifaschismus als Sinnstiftung. Konturen eines ostdeutschen Konzepts (151-170)
Michael Schwab-Trapp:
Der Nationalsozialismus im öffentlichen Diskurs über militärische Gewalt. Überlegungen zum Bedeutungswandel der deutschen Vergangenheit (171-185)
Volker Heins:
Krieg und politische Sinnschöpfung in der Berliner Republik. Die deutsche Beteiligung am Afghanistan-Feldzug als Medien-Story (187-204)
Harald Mey:
Deutsche Probleme mit der Gemeinschaft. Schwierigkeiten in der deutschen Kommunitarismus-Rezeption wegen der NS-Erfahrung (205-225)
Lothar Probst:
Der Holocaust - eine neue Zivilreligion für Europa? (227-238)
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.35
Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Wolfgang Bergem (Hrsg.): Die NS-Diktatur im deutschen Erinnerungsdiskurs Opladen: 2003, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/18812-die-ns-diktatur-im-deutschen-erinnerungsdiskurs_21824, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 21824
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Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
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