/ 19.06.2013
Astrid Stroh
Die SPD im europäischen Einigungsprozeß. Organisation und innerparteiliche Willensbildung in der Europapolitik von 1979 bis 1998
Hamburg: Verlag Dr. Kovač 2004 (Schriften zur Europapolitik 1); XIX, 637 S.; 98,- €; ISBN 3-8300-1268-3Diss. Frankfurt a. M.; Gutachter: F. Gress, J. Puhle. - Die Europapolitik der SPD steht im Mittelpunkt der Studie, wobei der Schwerpunkt auf den 80er- und 90er-Jahren und damit auf der Oppositionszeit liegt. Die Grundlage wird mit einem Überblick über die programmatische Entwicklung nach dem Zweiten Weltkrieg gelegt, bevor in einem ersten Hauptteil die Rolle verschiedener Akteure in der sozialdemokratischen Europapolitik skizziert wird. Die nationale Ebene - Parteipräsidium und -vorstand sowie die Bundestagsfraktion - behält dabei nach Stroh gegenüber den Vertretern der europäischen Ebene - Abgeordnete des EU-Parlaments und die SPE - die Oberhand. Sieht man wiederum genauer auf die nationale Ebene, dann wird innerhalb der SPD-Struktur ein eklatantes Defizit an Aufmerksamkeit und personeller Unterstützung deutlich. Ob und wie zwischen den unterschiedlichen Partei- und Fraktionspolen eine Koordinierung gelingt, untersucht Stroh anhand von drei Fallstudien zur ersten Direktwahl des EU-Parlaments, zum Maastrichter Vertrag und zur Revisionskonferenz 1996/97. In der zuweilen allzu detailgenauen Darstellung wird die Beziehung zwischen der organisatorischen und institutionellen Aufstellung der SPD-Europapolitik zur inhaltlich-programmatischen Entwicklung aufgezeigt. Als Resultat der Debatten der 80er-Jahre diagnostiziert Stroh einen inhaltlichen Paradigmenwechsel von der Idee „Europa als Friedensprojekt“ zu einer stärker an wirtschaftlichen Nutzenkalkülen orientierten Politik (23 f.). Da die Arbeit im Wesentlichen 1998 abgeschlossen wurde, wird eine spannende Frage allerdings nur gestreift: Ob und wie sich der europapolitische Entscheidungsfindungsprozess innerhalb der SPD beim Übergang von der Oppositions- zur Regierungspartei verändert hat, wäre eine Anschlussuntersuchung wert.
Wilhelm Knelangen (WK)
Dr., wiss. Ass., Institut für Sozialwissenschaften (Bereich Politikwissenschaft), Universität Kiel.
Rubrizierung: 2.331
Empfohlene Zitierweise: Wilhelm Knelangen, Rezension zu: Astrid Stroh: Die SPD im europäischen Einigungsprozeß. Hamburg: 2004, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/20471-die-spd-im-europaeischen-einigungsprozess_23863, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 23863
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Dr., wiss. Ass., Institut für Sozialwissenschaften (Bereich Politikwissenschaft), Universität Kiel.
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