/ 18.06.2013
André Brodocz
Die symbolische Dimension der Verfassung. Ein Beitrag zur Institutionentheorie
Wiesbaden: Westdeutscher Verlag 2003 (Verfassung und Politik); 305 S.; brosch., 34,90 €; ISBN 3-531-13853-7Die Monografie ist aus dem an der Technischen Universität Dresden angesiedelten Sonderforschungsbereich „Institutionalität und Geschichtlichkeit" hervorgegangen. Sie zielt auf nicht weniger als eine Kritik und die Reformulierung der zeitgenössischen Institutionentheorie ab. Deren Krebsübel sieht Brodocz in der inhaltlichen Unbestimmtheit des Institutionenbegriffs und versucht, ihm durch die Unterscheidung von Beobachtung erster und zweiter Ordnung beizukommen. Nicht um konkrete Gegenstände und deren Beobachtung könne es der Institutionentheorie gehen, sondern um die Beobachtung der Beobachtung. Der Begriff Institution bedeutet in dieser Lesart - so auch die Überschrift des dritten Kapitels - die vergleichende Selbstbeobachtung der Gesellschaft. Im zentralen vierten Kapitel wird nach dieser definitorischen und theoretischen Vorarbeit gefragt, wie im Fall der Kerninstitution Verfassung das Symbolische (im Unterschied zur instrumentellen Dimension) erfasst wird. Vier anspruchsvolle Verfassungstheorien werden hinsichtlich der Verortung des symbolischen Bezugspunktes der Verfassung und der Angemessenheit dieses Bezugspunktes untersucht: die dezisionistische Schmitts, die Diskurstheorie Habermas'scher Provenienz, der autopoietische Ansatz Luhmanns und die so bezeichnete „Theorie demokratisch-republikanischer Verfassungen" (33) von Frankenberg, Rödel und Dubiel. Im Ergebnis zeigt sich, dass die Theorien in der solchermaßen aufgespannten Vierfeldermatrix jeweils isoliert in einer Zelle stehen - und folglich jene strukturelle Kompatibilität fehlt, die die Voraussetzung einer Integration der einzelnen theoretischen Ansätze darstellt. Vor diesem Hintergrund entwickelt Brodocz im Schlussteil ein eigenes Konzept der symbolischen Dimension der Verfassung. Seine Kernaussage ist, dass diese symbolische Dimension auf der Deutungsoffenheit der Verfassung beruht.
Michael Edinger (ME)
M. A., wiss. Mitarbeiter, Sonderforschungsbereich 580, Universität Jena (www.uni-jena/svw/powi/sys/edinger.html).
Rubrizierung: 5.41 | 2.21
Empfohlene Zitierweise: Michael Edinger, Rezension zu: André Brodocz: Die symbolische Dimension der Verfassung. Wiesbaden: 2003, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/18658-die-symbolische-dimension-der-verfassung_21638, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 21638
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M. A., wiss. Mitarbeiter, Sonderforschungsbereich 580, Universität Jena (www.uni-jena/svw/powi/sys/edinger.html).
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