/ 18.06.2013
Klaus Ahlheim / Bardo Heger
Die unbequeme Vergangenheit. NS-Vergangenheit, Holocaust und die Schwierigkeiten des Erinnerns
Schwalbach/Ts.: Wochenschau Verlag 2002 (Studien zu Politik und Wissenschaft); 158 S.; 15,- €; ISBN 3-87920-469-1Anlässlich der Debatte um Erinnerungskultur und Vergangenheitspolitik, die Martin Walser mit seiner Rede in der Frankfurter Paulskirche 1998 auslöste, befragten die beiden Essener Erziehungswissenschaftler im Winter 2000/2001 über 2000 Studierende der Universität Essen "nach ihren Einstellungen zum Nationalsozialismus, zum Holocaust und zur Erinnerungskultur [...], nach ihrem Wissen über die NS-Zeit und nach den Quellen dieses Wissens, nach politischen und persönlichen Wertvorstellungen, auch nach ihrer Erziehungserfahrung" (5). Die Autoren gehen von der These aus, dass für die politische Kultur vor allem die Intellektuellen verantwortlich sind, weshalb sie mit den Studierenden eine Gruppe untersucht haben, "die in Zukunft großen Einfluß auf das öffentliche Meinungsklima ausüben wird" (25). In ihrer hinsichtlich Methodik und Auswahl der Stichprobe transparent dokumentierten Untersuchung präsentieren die Autoren ihre vielfältigen Ergebnisse und vergleichen diese darüber hinaus mit denen einschlägiger Studien, sodass Trends deutlich werden. In der Gesamtschau zeigt die Studie, dass fast ein Viertel der Studierenden einen "sekundären Antisemitismus" (50) vertritt und eine Schlussstrich-Mentalität mehrheitsfähig ist. Dies korrespondiert mit den politisch-persönlichen Einstellungen, die materialistisch-hedonistisch geprägt sind, während die Befragten solidarisches Verhalten sowie Verantwortung gegenüber der Vergangenheit als eher unbequeme Zumutung empfinden.
Aus dem Inhalt: 1. Endlich einen Schlußstrich ziehen? Die Folgen der Walser Debatte; 3. Die unbequeme Last der Vergangenheit - Schlußstrich-Mentalität, Nationalbewußtsein und Erinnerungskultur; 4. Deutsche Vergangenheit und Antisemitismus; 5. Wissen und Aufklärung über den Holocaust; 6. Studierende 2000: politisch-persönliche Einstellungen und deutsche Vergangenheit; 7. Familiale Erziehung, politische Einstellungen und Schlußstrich-Mentalität.
Christoph Busch (CHB)
Dr., Ministerium für Inneres und Kommunales des Landes Nordrhein-Westfalen.
Rubrizierung: 2.35
Empfohlene Zitierweise: Christoph Busch, Rezension zu: Klaus Ahlheim / Bardo Heger: Die unbequeme Vergangenheit. Schwalbach/Ts.: 2002, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/17072-die-unbequeme-vergangenheit_19633, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 19633
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Dr., Ministerium für Inneres und Kommunales des Landes Nordrhein-Westfalen.
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