/ 22.06.2013
Stephan Marks
Die Würde des Menschen oder: Der blinde Fleck in unserer Gesellschaft
Gütersloh: Gütersloher Verlagshaus 2010; 240 S.; geb., 19,99 €; ISBN 978-3-579-06755-1Der Soziologe Marks vertritt die These, dass vielen Menschen oft nicht bewusst ist, wie sehr sie – beispielsweise durch abfällige Bemerkungen oder diskriminierende Witze – die Würde eines anderen Menschen verletzen. Zunächst beschreibt er die Art der Verletzungen, die seiner Meinung nach die zwischenmenschlichen Beziehungen in Schule und Berufsleben vergiften. Des Weiteren weist er auf die Bedeutung der Menschenwürde hin, die den Mittelpunkt der Menschenrechte bilde und damit zu Recht eine zentrale Stellung in der abendländischen Philosophie und Theologie einnehme. Sein Hauptaugenmerk richtet er auf strukturelle und gesellschaftliche Bedingungen, unter denen Menschen miteinander arbeiten und zeigt Wege eines würdigen Miteinanders in der deutschen Gesellschaft auf. Diese sieht er insbesondere aufgrund des Fehlverhaltens von Pädagogen in einem Teufelskreis gefangen. Viele Deutsche hätten durch althergebrachte Erziehungsmethoden in ihrer Schulzeit Entwürdigungen erfahren, deren Muster sie selbst später im Berufsleben wiederholten. Für den Autor spielt das Gefühl der Scham in diesem Kontext eine entscheidende Rolle. So würden Menschen verletzt, wenn ihre Grenzen überschritten werden, sie sich ausgeschlossen oder in ihrer persönlichen Integrität beschädigt fühlten. Die Achtung der Menschenwürde besteht für Marks vor allem darin, den Menschen in seinen Grundbedürfnissen nach Schutz, Zugehörigkeit und Integrität anzuerkennen und zu unterstützen. In dieser Lesart ist Scham für ihn zwar das intimste Gefühl überhaupt, aber längst keine Privatsache, sondern eine das zwischenmenschliche Verhalten regulierende Größe, die Nähe und Distanz, Zugehörigkeit und Ausgrenzung, Anpassung und Integrität steuere. Unser gesamtes menschliches Miteinander wird nach Marks Auffassung durch unseren Umgang mit dem Gefühl der Scham bestimmt. Der Autor plädiert daher für die Etablierung einer Kultur der Menschenwürde.
Marinke Gindullis (MG)
Politikwissenschaftlerin.
Rubrizierung: 2.35
Empfohlene Zitierweise: Marinke Gindullis, Rezension zu: Stephan Marks: Die Würde des Menschen oder: Der blinde Fleck in unserer Gesellschaft Gütersloh: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/33395-die-wuerde-des-menschen-oder-der-blinde-fleck-in-unserer-gesellschaft_39954, veröffentlicht am 17.03.2011.
Buch-Nr.: 39954
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