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/ 04.06.2013
Jens Tenscher

Diskussions- und Rollenverhalten der Moderatoren in den deutschen Fernsehdebatten

M.A. Mannheim (Politische Wissenschaft): OHNE 1995; 152 S.; ISBN OHNE
Erstgutachter: M. Kaase. Kopie zum Preis von 29,- DM (einschließlich Versandkosten) erhältlich bei Jens Tenscher, Krappmühlstr. 15, 68165 Mannheim. Die berühmt gewordenen Fernsehdebatten zwischen John. F. Kennedy und Richard Nixon im Rahmen des US-Präsidentschaftswahlkampfes des Jahres 1960 stellen einen ersten Höhepunkt massenmedial vermittelter, "moderner" Wahlkämpfe dar. Seither werden in vielen Ländern vergleichbare Formen prä-elektoraler Bildschirmkonfrontationen von Spitzenkandidaten praktiziert. Auch die deutsche Wahlkampfdebattenversion - die von ARD und ZDF drei Tage vor den Bundestagswahlen zwischen 1972 und 1987 live ausgestrahlten "Elefantenrunden" - stieß durchgehend auf außergewöhnliches Interesse bei politischen Akteuren, Medien, "Öffentlichkeit" und, nicht zuletzt, Kommunikations- und Politikwissenschaftlern. Der Tradition der deutschen Debattenforschung folgend werden in der vorliegenden Untersuchung die verbalen Mitteilungen aller deutschen Fernsehdebatten analysiert. Dabei richtet sich der Fokus erstmalig nicht auf die Politiker, sondern auf einen bisher vernachlässigten Aspekt der Debattenforschung: die jeweils zwei Moderatoren der Debatten, deren Interaktion mit und Einfluß auf die Spitzenkandidaten. Ein Ergebnis ist, daß die journalistischen Kommunikatoren mit ihrer Doppelfunktion als Gesprächsleiter und fragende Journalisten in den Debatten überfordert waren. Dem weitreichenden Erfolg in der Verteilung ausgewogener Sprechzeiten (Gastgeberrolle) stand ein Scheitern der anwaltschaftlichen Funktion gegenüber. Dies verdeutlicht ein Agendenvergleich zwischen Politikern, Moderatoren und "öffentlicher Meinung". Hauptgrund hierfür war das unflexible, vorgefertigten Strategien folgende Diskussionsverhalten der Spitzenkandidaten, welches nicht zwischen politischen Kontrahenten und Moderatoren differenzierte. Das Verhalten der Moderatoren gegenüber den Politikern korrelierte mit deren Globalstrategien und somit mit Prominenz bzw. Parlamentsrollen der Politiker. Letztlich zeigen die herausgefundenen Rollenmuster eine konstante Verschiebung des Verhaltens der Journalisten von 1972 bis 1987 hin zu mehr Investigation und weniger Distanz gegenüber den Politikern. Die Analyse bestätigt den Verdacht einer "inszenierten Diskussion", in der sich die Politiker als die stärkeren Teilnehmer erwiesen. Um das Informationspotential möglicher zukünftiger Debatten zu erhöhen, wird eine personelle Trennung der Aufgaben sowie eine stärkere Bindung der Politiker an die Fragen der Journalisten bzw. aller Diskussionsteilnehmer an die Probleme der Wähler gefordert.
Jens Tenscher (Jens Tenscher)
Rubrizierung: 2.3332.331 Empfohlene Zitierweise: Jens Tenscher, Rezension zu: Jens Tenscher: Diskussions- und Rollenverhalten der Moderatoren in den deutschen Fernsehdebatten M.A. Mannheim (Politische Wissenschaft): 1995, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/4764-diskussions--und-rollenverhalten-der-moderatoren-in-den-deutschen-fernsehdebatten_3144, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 3144 Rezension drucken
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