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/ 20.06.2013
Sibylle Krause-Burger

Ein einig Volk von Träumern. Szenen der deutschen Krise

München: Deutsche Verlags-Anstalt 2005; 204 S.; geb., 19,90 €; ISBN 3-421-05874-1
Das Buch enthält 49 Kolumnen, welche die Autorin in den letzten drei Jahren für die Stuttgarter Zeitung verfasst hat. Dementsprechend lässt sich der Inhalt in der Rubrik des kritischen politischen Feuilletons ansiedeln. Über den jeweiligen tagespolitischen Anknüpfungspunkt hinaus liefern die Stücke eine durchaus konsistente Bestandsaufnahme der Verfasstheit der Republik und ihrer Bürger. Kritisch beleuchtet wird vor allem die politische Klasse, der fast durchweg Mittelmäßigkeit und ein Hang zur Unterwerfung unter die vermeintlichen Anforderungen der Mediendemokratie bescheinigt wird. Krause-Burger beklagt den „Niedergang der Korrektheit“ (79), festgemacht an der Bonusmeilen-Affäre, ebenso aber auch den „wilden Berliner Medienwettstreit“ (69). Insofern bietet das Buch eine essayistische Aufbereitung der These von der „Mediokratie“ (so der Titel des viel beachteten Buches von Thomas Meyer), denn: „Die Schröders ernten nur, was sie gesät haben“ (70). Auch die vorherrschenden Einstellungen der Bevölkerung werden kritisch hinterfragt. Den „ostalgischen“ Bürgern in den neuen Ländern bescheinigt Krause-Burger, der „Krankheit des politischen Vergessens“ (139) anheim gefallen zu sein. Damit korrespondiere eine westdeutsche Arroganz, die in der Missachtung der Tatsache wurzle, dass vor allem die Ostdeutschen die Last der Vergangenheit Deutschlands zu tragen hatten. So entsteht das Bild eines Landes, dessen Bewohner sich gedanklich noch in der allzu gemütlichen (West-) bzw. nachträglich schön geredeten (Ost-)Vergangenheit eingerichtet haben, dabei aber ihre Zukunft aufs Spiel setzen. Insgesamt handelt es sich um eine stets gut geschriebene, teilweise zum Widerspruch aufrufende und jederzeit anregende Lektüre. Insofern wird die Autorin ihrem Anspruch, mit journalistischen Mitteln den „Finger in diese und jene Wunde“ (10) zu legen, vollends gerecht. Erfreulich ist dabei, dass die bewusste Polemik nie zum Selbstzweck verkommt.
Markus Linden (LIN)
Dr., Politikwissenschaftler, wiss. Mitarbeiter, SFB 600 - Teilprojekt C7 "Die politische Repräsentation von Fremden und Armen", Universität Trier.
Rubrizierung: 2.32.35 Empfohlene Zitierweise: Markus Linden, Rezension zu: Sibylle Krause-Burger: Ein einig Volk von Träumern. München: 2005, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/23646-ein-einig-volk-von-traeumern_27156, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 27156 Rezension drucken
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