/ 20.06.2013
Claudia S. Weisser
Erinnerung, Verantwortung und Zukunft. Eine Betrachtung der NS-Zwangsarbeiter-Entschädigungsverhandlungen unter Berücksichtigung der rechtlichen und außenpolitischen Faktoren
Berlin: Logos Verlag 2004; 391 S.; 40,50 €; ISBN 3-8325-0435-4Diss. Erfurt; Gutachter: D. Herz, H.-J. Blanke. - Trotz der grundsätzlichen Unmöglichkeit, das Leid von NS-Zwangsarbeitern finanziell aufzurechnen, ist die Frage nach einem angemessenen Umgang mit solchen Entschädigungsfragen von grundlegender Bedeutung. Ähnlich gelagerte Forderungen (z. B. von chinesischen Zwangsarbeitern gegen japanische Konzerne) werden auch in anderen Ländern erhoben bzw. sind wahrscheinlich. Grundsätzlich bestehen hierzu zwei Möglichkeiten: die gerichtliche Klärung der Ansprüche oder die politische Verhandlungslösung. Die Autorin untersucht aus juristischer und politikwissenschaftlicher Perspektive, welche Vorgehensweise angesichts solchen Leids angemessener und auch effizienter hinsichtlich der tatsächlichen Durchsetzung von Entschädigungen ist. Dabei kommt sie zu dem Ergebnis, dass eine Verhandlungslösung die Methode der Wahl darstellen sollte. Nicht nur sei die individuelle Beweisführung über das erlittene Unrecht häufig aus praktischen Gründen unmöglich, sondern die Frage der Verjährung würde in vielen Fällen auch die juristische Durchsetzung solcher Entschädigungen erschweren und damit letztlich zu Ungerechtigkeiten führen. Breiten Raum nimmt Weissers Analyse des 18-monatigen Verhandlungsprozesses im Kontext der Schaffung der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft" ein.
Silke Becker (BE)
Dipl.-Soziologin; freie Journalistin.
Rubrizierung: 2.35
Empfohlene Zitierweise: Silke Becker, Rezension zu: Claudia S. Weisser: Erinnerung, Verantwortung und Zukunft. Berlin: 2004, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/23017-erinnerung-verantwortung-und-zukunft_26318, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 26318
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Dipl.-Soziologin; freie Journalistin.
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