/ 11.06.2013
Salomon Korn
Geteilte Erinnerung. Beiträge zur 'deutsch-jüdischen' Gegenwart. Mit einem Geleitwort von Marcel Reich-Ranicki
Berlin: Philo Verlagsgesellschaft 1999 (Köpfe der Republik); 265 S.; geb., 38,- DM; ISBN 3-8257-0141-7Der Autor, Architekt, Präsidiumsmitglied der Zentralrats der Juden in Deutschland und Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde in Frankfurt a. M., hat sich in den vergangenen 15 Jahren in zahlreichen Publikationen zu den unterschiedlichsten Aspekten des deutsch-jüdischen Verhältnisses nach 1945 geäußert, besonders aber zur Debatte um das Denkmal für die ermordeten Juden Europas, zur sogenannten Walser-Bubis-Kontroverse und zur Zukunft jüdischen Lebens in der Bundesrepublik. Hinzu trat ein beruflich begründetes Interesse an Fragen der Geschichte des Synagogenbaus in Deutschland. In dem Sammelband sind bereits zuvor in anderen Zusammenhängen publizierte Artikel Korns versammelt und zu einzelnen Themenblöcken geordnet. Deutlich wird in Korns Beiträgen insbesondere die Perspektive der Juden der "zweiten Generation", d. h. jener, deren Eltern nach dem Holocaust nach Deutschland zurückgekehrt waren. Ein Blickwinkel auf die Deutschen, dem der Wunsch nach klärender Abgrenzung der unterschiedlichen Erinnerungen zu Grunde liegt. Denn für Korn ist aufrichtige Annäherung und dauerhaftes Miteinander von deutschen Juden und Nicht-Juden nur im Bewusstsein des dauerhaft Trennenden möglich. Dennoch betont er auch Tendenzen der Annäherung, ja sogar der Assimilation und damit der Normalisierung der Beziehungen: "Wir befinden uns zur Zeit in einem historischen Prozess, der vom Juden in Deutschland über den deutschen Juden hin zum jüdischen Deutschen führen wird." (12)
Inhalt: I. Architektur und Judentum: Der Bruch als Symbol: Zur jüdischen Baukultur in Deutschland; Synagogenarchitektur in Deutschland nach 1945; Wer ein Haus baut, will bleiben; Phantomschmerzen. Was wird aus Berlins Jüdischem Museum?; Ein Bau wie Kain und Abel; Neugeboren aus der Tiefe. II. Gedenkorte - Gedenktage: Im Hohlraum der Zivilisation; Die zweigeteilte und die gemeinsame Erinnerung; Balance zwischen Versöhnlichkeit und Verweigerung; Brüchige Selbstdefinition; Die Aktualität der "Reichskristallnacht"; Millionen Deutsche profitieren noch heute von der "Arisierung". III. Jüdisches Leben nach Deutschland: Das Ende der Schonzeit; Heiteres Identitätenraten; Auf der Suche nach innerer Festigung; Rückkehr der Mythen?; Brüder reden miteinander. IV. Das "Holocaust-Mahnmal" in Berlin: Monströse Platte; Die Tafeln sind zerbrochen; Durch den Reichstag geht ein Riß; Geteilte Erinnerung; Wie soll das Parlament entscheiden?; Und jetzt mahn mal! V. Erinnerung als Legitimation: Zur Bubis-Walser-Kontroverse: Es ist Zeit; "Es kommt darauf an, wie man Rituale mit Leben erfüllt."; Befreiung des Gewissens? VI. Nachtrag: Zum Tod von Ignatz Bubis.
Markus Kaim (MK)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Forschungsgruppe "Sicherheitspolitik", Stiftung Wissenschaft und Politik, Deutsches Institut für Internationale Politik und Sicherheit, Berlin.
Rubrizierung: 2.35 | 2.333
Empfohlene Zitierweise: Markus Kaim, Rezension zu: Salomon Korn: Geteilte Erinnerung. Berlin: 1999, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/10716-geteilte-erinnerung_12669, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 12669
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Dr., wiss. Mitarbeiter, Forschungsgruppe "Sicherheitspolitik", Stiftung Wissenschaft und Politik, Deutsches Institut für Internationale Politik und Sicherheit, Berlin.
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