/ 22.06.2013
Heiderose Kilper (Hrsg.)
Governance und Raum
Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2010; 250 S.; 39,- €; ISBN 978-3-8329-5743-8Das erklärte Ziel der Autoren ist, die soziale Konstruktion von Räumen aus Sicht der Governance-Theorie zu analysieren. Die Herausgeberin Kilper erklärt, dass die dominanten politik- und wirtschaftswissenschaftlichen Perspektiven im Governance-Diskurs zwingend mit kommunikations- und raumwissenschaftlichen Governance-Konzeptionen verbunden werden müssten. In der politikwissenschaftlichen Perspektive gelte Governance als Ausdruck einer sich wandelnden Staatlichkeit „vom hoheitlich-hierarchischen zum kooperativen Staat“. In den Wirtschaftswissenschaften stehe Governance für die Einsicht, „dass die Funktionsmechanismen von Märkten von […] nicht-marktlichen Koordinationsformen […] durchdrungen sind“ (9). In Zukunft müsse angesichts zunehmender „Durchlässigkeit zwischen Staat und Gesellschaft wie auch zwischen Nationalstaaten und internationalem Umfeld“ (10) die Interdependenz der Koordinationsformen Hierarchie, Markt und Netzwerke analysiert werden. Die Autoren kommen zu folgenden Ergebnissen: 1. Kultur- und Identitätsräume: Ein „Sozialzusammenhang“ kann durch intersubjektive Wirklichkeitsdeutungen in Diskursen „das von ihm als Raum definierte Umfeld auch gemäß seiner Raumdeutungen“ (37) gestalten. 2. Institutionen- und Handlungsräume: Sozio-politische Konstrukte können durch „formelle und informelle Regelsysteme“ (95) in Institutionen, die „Verdichtung von Beziehungen zwischen öffentlichen und privaten Akteuren“ (97) in Handlungen und die Praktizierung von „Governance by Government“ im „politisch-administrative[n] Raum“ (98) realisiert werden. 3. Beziehungs- und Interaktionsräume: Raumbegrenzungen können durch die Aufhebung der „Dichotomie zwischen Markt und Staat“ in einer „wissensbasierten Ökonomie“ (148 f.) überwunden werden. Der Eindruck, den die Lektüre insgesamt hinterlässt, ist identisch mit der von Kilper eingangs angemerkten Tatsache, dass Governance eher „eine spezifische Betrachtungsweise“ (9) als eine geschlossene Theorie ist: Der faktenreichen Ausdifferenzierung des Verhältnisses von Governance und Raum mangelt es spürbar an Bestimmtheit. Verantwortlich für die Unklarheit ist die Vielschichtigkeit der Kontexte, in denen der Begriff Governance im Buch verwendet wird. Sollte vielleicht gerade in der fehlenden Konkretisierung des „sozialwissenschaftlichen Oberbegriff[s] Governance“ (14) dessen Erklärungswert liegen?
Ulf Kemper (UK)
M. A., Politikwissenschaftler, Philosoph, wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaften, Universität Duisburg-Essen.
Rubrizierung: 2.325 | 2.2
Empfohlene Zitierweise: Ulf Kemper, Rezension zu: Heiderose Kilper (Hrsg.): Governance und Raum Baden-Baden: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/33494-governance-und-raum_40082, veröffentlicht am 06.04.2011.
Buch-Nr.: 40082
Inhaltsverzeichnis
Rezension drucken
M. A., Politikwissenschaftler, Philosoph, wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaften, Universität Duisburg-Essen.
CC-BY-NC-SA