/ 11.06.2013
Anna Christine Brade
Ich dachte, Sie wären tot. NS-Mahnmale und Erinnerungsprozesse in Ostwestfalen-Lippe
Bielefeld: Verlag für Regionalgeschichte 1997; 128 S.; 24,80 DM; ISBN 3-89534-202-5Der Band geht auf die Ausstellung "Gedenkstätten in der Region" zurück, die im November 1995 Mahnmale und Gedenktafeln aus der Region Bielefeld-Herford-Gütersloh dokumentierte, welche aus Anlaß von NS-Verbrechen bzw. des Holocaust errichtet wurden. Die Autoren gehen von der These aus, "daß die Bedeutung eines Mahnmals nicht nur aus seiner äußeren Erscheinung, sondern auch aus der Geschichte seiner Entstehung erwächst." (8) Ausgehend von den dokumentierten Fallbeispielen gilt ihr Interesse damit zunächst einer Typologie unterschiedlicher Formen historischen Erinnerns, und zwar seiner Intention wie seiner Wirkung nach. In der Folge wird der Zusammenhang zwischen den verschiedenartigen Erinnerungsprozessen, die sich in der Entstehungsgeschichte bestimmter Mahnmale rekonstruieren lassen, und ihrer letztlich (als Ergebnis der Entscheidung für eine bestimmte Form) beabsichtigten Rezeption untersucht. Dabei stellen die Autoren signifikante Unterschiede fest, was die "Behandlung" der verschiedenen Gruppen der NS-Opfer, also die Qualität und Orientierung bzw. die Verweigerung des Gedenkens, betrifft. Diese werden im abschließenden Teil "Erinnerung als dauerhafter Prozeß" exemplarisch erörtert.
Michael Hein (HN)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Arbeitsstelle für graphische Literatur, Universität Hamburg, freier Lektor, Übersetzer, Publizist.
Rubrizierung: 2.35
Empfohlene Zitierweise: Michael Hein, Rezension zu: Anna Christine Brade: Ich dachte, Sie wären tot. Bielefeld: 1997, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/10663-ich-dachte-sie-waeren-tot_12608, veröffentlicht am 25.06.2007.
Buch-Nr.: 12608
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Dr., wiss. Mitarbeiter, Arbeitsstelle für graphische Literatur, Universität Hamburg, freier Lektor, Übersetzer, Publizist.
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