/ 04.06.2013
Wolfgang Gerstlberger / Klaus Grimmer / Thomas Kneissler
Institutionelle Leistungsfähigkeit von Verwaltungsorganisationen. Eine theoretisch-empirische Studie
Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 1997 (Veröffentlichungen aus dem DFG-Schwerpunktprogramm Theorie politischer Institutionen); 125 S.; brosch., 38,- DM; ISBN 3-7890-4890-9Die Arbeit liegt gleichsam im Schnittpunkt zweier unterschiedlicher Forschungsperspektiven: ihre Autoren gehören der Forschungsgruppe Verwaltungsautomation (Universität Gesamthochschule Kassel) an, die Studie selbst ist als Projekt des DFG-Schwerpunktes "Theorie politischer Institutionen" durchgeführt worden. Ausgangspunkt ist die zunächst sehr allgemeine Prämisse, die Leistungsfähigkeit öffentlicher Verwaltungen lasse sich nicht vollständig anhand formaler Strukturen und Regeln bestimmen, die spezifische Differenz müsse vielmehr im konkreten Zusammenspiel von Organisation und relevanten Umwelten ausgemacht werden (9 ff.). Die Studie sucht den Zugang zu diesem "organisationellen Mehr" einerseits durch drei Fallstudien (Landwirtschaftsverwaltung, Arbeitsvermittlung in Deutschland und Österreich, Bürgerämter) näher zu bestimmen, die jeweils unterschiedliche organisatorische Konstellationen und Umweltbezüge abbilden (15 ff.). Andererseits werden in einer differenzierten - wenn auch sehr gedrängten - Form die sozialwissenschaftliche Verwendung des Institutionenkonzepts (63 ff.) und dessen Bezug auf die Organisationsperspektive rekonstruiert (85 ff.). Das Zusammenspiel empirischer und theoretischer Befunde erfolgt im Rahmen dieser knappen - auf den Kontext des Forschungsverbundes verweisenden - Studie überwiegend hypothetisch. So die Annahme, daß für Flexibilität und Lernfähigkeit von (Verwaltungs-)Organisationen der Grad ihrer institutionellen Prägung ausschlaggebend sei - d. h. das Ausmaß, in dem eine autonome Problemwahrnehmungs- und -bearbeitungsfähigkeit auf der Ebene der Organisationsmitglieder stabilisiert werden kann (89 ff.). Für die damit erreichbare "funktionale Rationalität" sind bestimmte - nämlich formal-bürokratische - Organisationsstrukturen weniger tauglich (104 ff.).
Aus dem Inhalt: I. Empirischer Befund: Ein organisationelles Mehr bei öffentlichen Verwaltungen: 1. Wie funktionieren Verwaltungen?; 2. Wie läßt sich ein organisationelles Mehr erfassen - methodischer Ansatz; 3. Verlust und Gewinn an Eigenart in verschiedenen Verwaltungen: 3.1 Von der Beratungs- zur Antragsbehörde: Verlust an Identität; 3.2 Informatisierung der Aufgabenerledigung: veränderte Bedeutungen; 3.3 Neue Aufgaben, neue Technik, neue Räume und viele Kunden: Aufbau eines eigenständigen Selbst- und Fremdbewußtseins; 3.4 Das organisationelle Mehr oder die Funktions- und Leistungsfähigkeit von Verwaltungen. II. Die Institutionenperspektive in den Sozialwissenschaften: 4. Die Institutionenperspektive als sozialwissenschaftliches Grundlagenkonzept; 4.1 Die Repopularisierung der Institutionenperspektive; 4.2 Organisationen als Träger institutioneller Eigenschaften; 4.3 Die Institutionelle Theorie der Organisation; 4.4 Interpretative Ansätze in der Organisationstheorie; 4.5 Die kognitive Perspektive. III. Die institutionell geprägte Organisation: 5. Wechselwirkungen von Binnenelementen und Umwelten; 5.1 Binnenelemente; 5.2 Umwelteinflüsse; 5.3 Institutionelle Prägungen der Organisation; 6. Veränderungen der institutionellen Prägungen und die Steuerung von Organisationen; 7. Verwaltungsorganisationen als institutionelle Elemente im politisch-administrativen System.
Thomas Mirbach (Mir)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.21
Empfohlene Zitierweise: Thomas Mirbach, Rezension zu: Wolfgang Gerstlberger / Klaus Grimmer / Thomas Kneissler: Institutionelle Leistungsfähigkeit von Verwaltungsorganisationen. Baden-Baden: 1997, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/4927-institutionelle-leistungsfaehigkeit-von-verwaltungsorganisationen_6494, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 6494
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Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
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